Das vergleichslose „Tempest Project“ des verstorbenen Jahrhundert-Regisseurs rührt bei den Wiener Festwochen an die Seele des Theaters.
Nicht wenige Besucher sind diesem Ereignis ein Theaterleben lang gefolgt: Peter Brooks Auseinandersetzung mit dem Shakespeare’schen Abschiedswerk „Der Sturm“ hat Generationen beeinflusst, wurde oft kopiert und hat kurz vor dem Tod des Jahrhundertregisseurs noch diese besondere Blüte getrieben. „Nach Shakespeare’“ untertitelte er das mit Marie-Hélène Estienne geschaffene „Tempest Project“. Welche Umsicht zu Zeiten, da sich jeder Unterbelichtete nach Belieben an Weltliteratur vergreift!
Hier hingegen legt man 85 Minuten lang auf leerer Bühne den Kern des Textes und des Shakespeare’schen Weltentwurfs frei. Alle Gestalten folgen dem Traum von der Freiheit, der hässliche Geist Caliban (Sylvain Levitte, der sich auch in den schönen Prinzen verwandelt) ebenso wie der gute Geist Ariel (verzaubernd die 78-jährige Marilù Marini) und die vor Liebe leuchtende Miranda (Paula Luna). Prospero in der Gestalt des noblen, charismatischen Ery Nzaramba ist schwarz, wie schon vor 30 Jahren. Aber nicht unter dem Zwang alberner Diversitätsdiktate, sondern weil das hier Gezeigte mit seinem Charme, seiner Leichtigkeit und Tiefe tatsächlich den Blick über Epochen, Stile und Ethnien richtet.
Brook ist als letzter der drei Richtungweisenden – neben ihm waren das Giorgio Strehler und Peter Zadek – gegangen. Der jeweiligen Richtung wieder zu folgen, wäre kein Schaden.
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