Jazz im Konzerthaus

Ein ungestüm virtuoses Energiebündel am Klavier

Kultur
30.01.2026 13:04
Porträt von Verena Kienast
Von Verena Kienast

Enorme Mengen positiver Energie setzt der französisch-amerikanische Jazzpianist Jacky Terrasson mit seinem Trio frei. Das aktuelle Projekt „Moving on“ zeigte im Wiener Konzerthaus den Weg in eine beschwingt-erfreuliche Zukunft.

Gerade erst 60 geworden, zelebriert Terrasson ein ziemlich virtuoses Zerlegungsspiel und bedient sich dabei bewährter Standards und weitreichender Vorbilder ebenso wie seiner eigenen Kompositionen. Klassik und Jazz, französisches Lebensgefühl und amerikanischer Pioniergeist kumulieren in einer explosiven Melange.

Blitzlichtartig führt die Ouvertüre da vor dem rhythmischen Grundgewebe von Sylvain Romano am Kontrabass und Lukmil Perez am Schlagzeug in einer rasanten Fahrt durch das Terrasson‘sche Musikuniversum: Mit ungestüm hingeworfenen Zitaten, sanft eingewebten Melodiefragmenten und profund-vehementen Akkorden bis zur übersprudelnden Ekstase. Und auch der verehrte Frédéric Chopin erhält seinen Auftritt.

Der Weg in eine beschwingt-erfreuliche Zukunft mit Sylvain Romano, Jacky Terrasson und Lukmil ...
Der Weg in eine beschwingt-erfreuliche Zukunft mit Sylvain Romano, Jacky Terrasson und Lukmil Pérez (v.l.n.r.)(Bild: Alexandre Lacombe)

Energetische Wucht und zärtliches Geplänkel
Die Ballade fällt in einen dramatischen Erzählfluss mit kapriziösen Ausschmückungen, der lateinamerikanische Dauerbrenner „Bésame mucho“ bleibt genauso wie Cole Porters „Love for Sale“ oder dem französsichen Chanson „Les Feuilles Mortes“ nur im kokett eingeflochtenen Grundmotiv bestehen, das Terrasson mit seinen Gefährten im beeindruckenden Einvernehmen zunehmend auflöst – in einem bezaubernden Wechsel zwischen energetischer Wucht und zärtlichem Geplänkel.

Im Dialog und Trialog mit wechselnden Wortführern übernimmt auch Romanos Bass sehr eloquent die Melodieführung und kehrt Perez an der Perkussion die melodiöse Seite seines Instruments charmant hervor.

Ein lyrisch Suchender
Die Begeisterung des Publikums kann sich darüber kaum entfalten, denn schon setzt das Energiebündel Terrasson zum nächsten Stück an. Dabei erweist er sich immer wieder auch als lyrisch Suchender, der sich behutsam den schönen Phrasierungen widmet, um dann ins freie, ungestüme Feld zu streben und bisweilen in den veritablen Blues zu kippen.

Erdverbunden mit bezwingendem Rhythmus zieht Duke Ellingtons „Caravan“ durchs Land und am legendären 5/4-Takt lässt sich Paul Desmonds „Take Five“ schon vor dem kurz eingeflochtenen Thema erkennen. Bis alles wieder in andere Gefilde stürmt und mit Charly Chaplins „Smile“ als Zugabe melancholisch-optimistisch ausklingt. Mit einem zärtlichen Endton.

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