„Krone“-Kolumne

Umkämpfte Bücher

Kolumnen
28.05.2024 07:43

Er war die Leiche Nummer 319. Nur eine Zahl unter 400 Toten, die man im September 2022 in einem Massengrab bei Isjum entdeckte. Erst später wurde klar, dass hier mit dem Schriftsteller Wolodymyr Wakulenko eine weitere Stimme der ukrainischen Kultur ausgelöscht worden war.

Wakulenko war einer der bekanntesten Kinderbuchautoren des Landes. Mit seinem autistischen Sohn lebte er in Charkiw – in Gedichten versuchte er, ihm den Krieg zu erklären. Auch in einem Tagebuch, das er noch unter einem Baum vergrub, bevor er und sein Sohn von russischen Soldaten verschleppt wurden.

Seine Stimme, seine Geschichten sollten die Russen jedoch nicht bekommen – die wollte der Vivat-Verlag zumindest in seinen Büchern am Leben erhalten. Nun wurde auch dessen Druckerei, die größte der Ukraine, gezielt von den Russen bei einem Bombenangriff zerstört. Sieben Menschen wurden getötet – und mehr als 55.000 Bücher zerstört.

Bücher mögen im Krieg vielleicht nicht zu den lebenswichtigen Gütern gerechnet werden – sind es auf ihre Weise aber doch. In ihnen stecken Kraft und Trost, aber auch die Kultur und Identität der Nation, die Putin vernichten will. „Das ukrainische Buch ist die ukrainische Stärke. Deshalb will es der Feind zerstören“, twitterte deshalb der Schriftsteller und Soldat Serhij Zhadan nach der Zerstörung der Druckerei.

Auch dafür, für ihre Bücher, für ihre Stimme opfern die Ukrainer tagtäglich ihr Leben in diesem sinnlosen brutalen Krieg Putins.

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