Mo, 24. September 2018

Zwei Agenten in Wien

29.10.2012 12:52

Ab sofort ist Causa Natascha Kampusch auch FBI-Sache

Seit Mitte Juli läuft die Cold-Case-Überprüfung der Causa Natascha Kampusch. Ein international besetzter Lenkungsausschuss sowie ein operatives Team beschäftigten sich noch einmal intensiv mit dem Fall, Ungereimtheiten und mögliche Ermittlungspannen sollen überprüft werden. Seit Montag sind dazu auch zwei Agenten der US-Bundesbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) in Wien im Einsatz.

Die beiden Spezialisten kommen aus Quantico, einem kleinen Dorf im US-Staat Virginia, in dem sich die FBI-Akademie befindet. "Sie haben eine besondere Expertise im Bereich von Cold Case und Vermisstenfahndung", sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck. Die FBI-Ermittler gehören genauso wie Kollegen des deutschen Bundeskriminalamtes in Wiesbaden und österreichische Kripobeamte sowie Staatsanwälte dem operativen Team an.

Vergleich von Ermittlungsmethoden
Die FBI-Spezialisten kamen gut vorbereitet nach Wien. "Wesentliche Aktenbestandteile sind schon im Vorfeld übersetzt und übermittelt worden", erläuterte Grundböck. Insgesamt umfasst die "Akte Kampusch" rund 270.000 Seiten (weiteres Bild). Seit Juli habe es Vorarbeiten und Analysen in Wiesbaden und Quantico gegeben. Ziel der Evaluierung sei es, das Vorgehen der österreichischen Behörden im Fall Kampusch nochmals zu analysieren und dem gegenüberzustellen, wie das FBI und das BKA Wiesbaden bei ähnlichen Fällen vorgehen würden, sagte Grundböck. Mit einem Vergleich der Methoden solle herausgefunden werden, was an der Methodik der österreichischen Behörden in Zukunft verbessert werden könne.

Bis Mittwoch setzen sich nun die Experten, die sich bereits mit dem Fall beschäftigt haben, zusammen und stellen die einzelnen Modelle, wie der Fall methodisch abgewickelt würde, einander gegenüber. Ein Dolmetscher unterstützt die FBI-Spezialisten dabei.

"Keine fixe Personengruppe" im operativen Team
Während die siebenköpfige Besetzung des Lenkungsausschusses bekannt ist - darin sitzen unter anderem Christian Pilnacek, Sektionschef im Justizministerium, der Präsident des BKA Wiesbaden, Jörg Ziercke, sowie Steven Paulson, Chef der Rechtsabteilung in der US-Botschaft - ist im operativen Team "keine fixe Personengruppe" tätig. Je nach Arbeitsauftrag und Fragestellung werde arbeitsteilig vorgegangen, erläuterte Grundböck.

Derzeit würden nur "Zwischenergebnisse" diskutiert werden, so Grundböck, die Evaluierung ist noch nicht abgeschlossen. Je nach Bedarf könne es auch vorkommen, dass nochmals FBI-Spezialisten hinzugezogen werden. "Das Team ist flexibel", so der Sprecher.

Die gesamte Überprüfung soll bis Ende 2012 laufen. Sollten sich neue Verdachtsmomente ergeben, müssten diese von österreichischen Behörden wiederum im Rahmen eines neuen Ermittlungsverfahrens geklärt werden.

Kampusch war als Zehnjährige 1998 von Wolfgang Priklopil entführt worden und konnte im Sommer 2006 aus der Gefangenschaft flüchten. Priklopil beging daraufhin Selbstmord. Immer wieder gab es in dem Fall Verschwörungstheorien und Gerüchte über mögliche Mittäter.

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