Bei den Großereignissen der letzten zwei Jahre landete Diskusass Lukas Weißhaidinger im geschlagenen Feld. Daher setzen er und Trainer Gregor Högler im Olympiajahr alles auf eine neue Karte. Der 32-Jährige stellte seine Wurftechnik noch einmal um. Ab jetzt dreht sich alles um die Geschwindigkeit. „Er ist jetzt ein reiner Speedwerfer“, meint Högler. So soll es mit Vollgas Richtung Medaille in Paris gehen.
Stopp, das war falsch. Manchmal muss Lukas Weißhaidinger seine Wurfbewegung abbrechen. Schmunzelnd ertappt er sich dann dabei, dass er wieder von oben ausgeholt hat. Kein Wunder, hatte er dies jahrelang automatisiert. Doch just im Olympiajahr hat der Diskushüne seine Technik noch einmal umgestellt.
Es war eine gefühlsgetriebene Entscheidung, wie Weißhaidinger erklärt. „Bei der Art, wie ich zuletzt warf, musste man lang eher ruhig bleiben. Das war gerade in Drucksituationen schwierig. Bei der neuen Variante kann ich aggressiv sein, voll draufdrücken, das taugt mir mehr.“ Kurz gesagt, es geht eben um Vollgas.
„Luki ist jetzt ein reiner Speedwerfer“, bringt Trainer Gregor Högler es auf den Punkt. Eine Technik, wie sie auch der neue Weltrekordler Mykolas Alekna exerziert. Darum gab dessen Wurf auf 74,35 Meter dem Duo Zuversicht. „Wir haben gesehen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“
Fünf Kilo schlanker
Ein Faktor ist, dass Weißhaidinger, der nun mehr aus der Hüfte kommt, eben schneller und beweglicher sein muss. Darum nahm der 1,97 Meter große Oberösterreicher fünf Kilo ab, bringt „nur“ noch 145 auf die Waage. Den Weltrekordwurf haben sie genau studiert. „Alekna landete dann ganz verdreht links vorne im Kreis“, beschreibt Högler. Dahin sollte im Optimalfall auch Weißhaidinger kommen.
Dass ein so strikter Bruch wenige Monate vor Olympia ein Risiko birgt, ist klar. Aber mit der alten Technik, da sind sich Weißhaidinger und Högler einig, hätte es in Paris keine Medaille gegeben. „Und wenn man schon eine hat, will man noch eine“, grinst Luki, wiewohl er weiß, dass es schwierig wird.
Högler räsonniert: „Mit der alten Technik wäre Luki wahrscheinlich immer im Finale gewesen, aber da fragst du dich: Willst du das? Oder willst du mehr?“ Er glaubt auch, die zwei eher durchwachsenen letzten Jahre könnten sich nun positiv bei Weißhaidinger auswirken. „Am Anfang war nach den ganzen Medaillen schon eine gewisse Sättigung da. Aber jetzt ist Luki hungriger denn je.“
Die erste Standortbestimmung wird am Sonntag das Diamond-League-Meeting in Marrakesch bringen, bei dem fast die komplette Weltelite am Start ist. Davor wirft Weißhaidinger am Freitag in St. Pölten. Ende Mai, Anfang Juni wartet auf ihn dann ein Hammer-Programm mit den Diamond-League-Meetings in Oslo und Stockholm sowie der EM in Rom binnen einer Woche.
Platzierung erst in Paris wichtig
„Aber da werden die Ergebnisse für mich noch nicht so wichtig sein, eher die Weiten“, meint Weißhaidinger. Denn natürlich ist er mit der Technik noch nicht so weit. Wichtig ist, dass er genug Wettkämpfe hat, um diese immer weiter zu verbessern, gerade unter Drucksituationen. Denn bei allen wichtigen Meetings in dieser Saison, kommt es eben vor allem darauf an, bei Olympia in Paris auf dem höchsten Leistungsniveau zu sein. „Erst dort ist die Platzierung so richtig wichtig“, sind sich Weißhaidinger und Högler wieder einmal einig.
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