„Krone“-Kommentar

Tanz am Rande des Abgrunds

Kolumnen
15.04.2024 20:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Israels Regierung besteht darauf, dass das Iran-Regime für den beispiellosen Angriff auf den jüdischen Staat „einen Preis zahlt“. Stillhalten würde den Iran nur ermutigen. Man will vor allem nicht akzeptieren, dass die Mullahs bestimmen, wann genug genug ist.

„Wenn sie uns wehtun, dann werden wir ihnen wehtun“, hatte sich Netanyahu schon vor Tagen in Zugzwang gebracht. Das Problem: Genau genommen wurde Israel nicht wehgetan, aber es hätte eine Katastrophe geben können. Auch wenn der Angriff ein Debakel war, so wirken doch die Schockwellen nach.

Israel hat hingegen politisches Kapital gewonnen. Fernfuchtler in aller Welt, die Israels Gazakrieg in Grund und Boden verdammen, haben plötzlich Verständnis für Israels Existenzsorgen. Ein Gegenschlag gegen den Iran würde das neue politische Kapital verspielen.

Jeder israelische Vergeltungsschlag gegen das Mullah-Regime birgt die Gefahr, dass die Hamas mit ihrem grauenhaften Überfall auf Israel doch noch ihr großes Ziel erreicht: Israel in einen großen nahöstlichen Flächenbrand hineinzuziehen, auf dass es dort verbrenne.

1991 hatte Saddam Hussein Raketen auf Israel geschossen. Israel ließ sich nicht in einen Krieg mit dem Irak hineinziehen. Das erledigten die USA (die damals noch China und Russland an ihrer Seite hatten).

Heute ist die Welt eine andere – und eine gefährlichere geworden.

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