„Frieden durch Stärke“

Polens Armee rüstet sich zur mächtigsten Europas

Ausland
10.04.2024 22:54

Polen rüstet massiv auf. Damit will das NATO-Land seinen Nachbarn Russland abschrecken – und könnte sich zum Schirmherrn der europäischen Sicherheit aufschwingen.

Kampfjets, Hubschrauber, Marschflugkörper: Polen füllt seine Arsenale. Heuer wird das Land mehr Geld als die USA für Rüstung ausgeben, gemessen am Anteil des Bruttoinlandsprodukts. Mit vier Prozent des BIP bekommt das Land heuer das größte Verteidigungsbudget aller Mitgliedsstaaten des Nordatlantikpakts. Damit will Polen Vorbild sein: Mitte März rief der polnische Präsident Andrzej Duda die NATO-Verbündeten auf, drei Prozent ihres BIP in die Verteidigung zu stecken. Duda forderte eine „klare und kühne“ Antwort auf die russische Aggression gegen die Ukraine.

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Polen will sich selbst in die strategische Position als Europas zukünftiger Sicherheitsgarant bringen. Dabei sind sie nicht am Kauf von Rüstungsgütern der EU interessiert, sondern sie richten sich nach dem militärisch-industriellen Komplex der USA.

Jeffrey Fischer, Oberst der US-Luftwaffe

Starke Anlehnung an NATO-Partner USA
„Polen will sich selbst in die strategische Position als Europas zukünftiger Sicherheitsgarant bringen“, sagt Jeffrey Fischer, Oberst der US-Luftwaffe im Ruhestand gegenüber krone.at. „Dabei sind sie nicht am Kauf von Rüstungsgütern der EU interessiert, sondern sie richten sich nach dem militärisch-industriellen Komplex der USA.“

Polnische Soldaten bei einer Parade in Warschau (Bild: APA/AFP/Wojtek RADWANSKI)
Polnische Soldaten bei einer Parade in Warschau

Fischer verweist auf die massiven Mengen an Waffen, die Polen im Rahmen des US-Programms der Foreign Military Sales (FMS, ausländische Militärverkäufe) den Vereinigten Staaten abkauft. Ende März genehmigte der US-Kongress den Verkauf von 821 neuen JASSM-Marschflugkörpern mit einer Reichweite von 900 Kilometern an Polen. Das Land hat damit zukünftig mehr als 1000 Lenkflugkörper in seinem Arsenal – mehr als jeder andere europäische Staat. Zuvor erhielt Polen bereits Kampfjets vom Typ F-16 und F-35 und 96 Apache-Kampfhubschrauber in ihrer modernsten Version.

Die polnischen Streitkräfte bekommen eine Menge an neuen Waffen. (Bild: Krone KREATIV, Hyundai, Reuters, AP)
Die polnischen Streitkräfte bekommen eine Menge an neuen Waffen.

„Frieden durch Stärke“
„Bei der Aufrüstung geht es aber nicht um polnische Ambitionen“, betont Marcin Terlikowski, Sicherheitsexperte am polnischen Institut für Internationale Beziehungen (PISM), „sondern darum, auf die russische Bedrohung zu antworten. Das Ziel ist es, Russland zu zeigen, dass es nicht einmal daran denken soll, einen Krieg anzufangen“. Ein russischer Angriff auf ein NATO-Land in Osteuropa sei ein sehr unwahrscheinliches Zukunftsszenario, und der polnische Beitrag zur NATO-Abschreckungspolitik soll dafür sorgen, dass das auch so bleibt. „Nach dem Motto: Frieden durch Stärke“, erklärt Terlikowski.

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Bei der Aufrüstung geht es aber nicht um polnische Ambitionen, sondern darum, auf die russische Bedrohung zu antworten.

Marcin Terlikowski, Sicherheitsexperte am polnischen Institut für Internationale Beziehungen

Eine effektive NATO in Europa gebe es aber nur zusammen mit den Vereinigten Staaten: Nicht nur liefern die USA Waffen an das mitteleuropäische Land, sie stärken auch ihre Militärpräsenz an der NATO-Ostflanke: In Polen wird ein Hauptquartier der US-Armee errichtet, zusammen mit einer schweren gepanzerten Kampf-Brigade – bis zu 6000 Mann. Bereits jetzt sind 11.000 US-Soldaten in Polen stationiert.

Nimmt Polen Rolle Deutschlands ein?
Zuletzt wurde Polens gestärkte Rolle deutlich beim sogenannten Weimarer Dreieck, wo Premier Tusk auf Augenhöhe mit dem mächtigen französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz auftrat. Auch Macron demonstrierte zuletzt mit seinen Aussagen zur möglichen Stationierung von NATO-Soldaten in der Ukraine Stärke. Deutschland dagegen, das sich in der Taurus-Debatte nicht vom Fleck bewegt, wirkt für Militärexperte Fischer wie ein „Schiff ohne Ruder“.

Polen könne in militärischer Hinsicht einige Lücken füllen, die Deutschland hinterlasse, „in politischer Hinsicht muss Deutschland aber seine harte Haltung gegenüber Russland beibehalten und darf nicht mit widersprüchlichen Signalen aus dem Kanzleramt in Berlin das Versprechen der ‘Zeitenwende‘ unterminieren“, so PSIM-Experte Terlikowski in Anspielung auf die Taurus-Debatte bei unseren Nachbarn.

Offen bleibt, ob die polnische Armee mit all den zulaufenden, neuen High-Tech-Waffen auch Krieg führen kann. Ein Experte zur „Krone“: „Sie sind wie Knappen, die man vor der Schlacht aus Not zum Ritter schlägt.“ 

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