Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser zog vor ihrer Pension noch einmal Bilanz über die Jahre 2022 und 2023. Die Kinder- und Jugend- anwaltschaft (Kija) verzeichnete in dieser Zeit 8290 Kontaktaufnahmen. Zu tun gibt es genug.
Es war die letzte Pressekonferenz, zu der Elisabeth Harasser am Dienstag begrüßte. Nach 24 Jahren als Tirols Kinder- und Jugendanwältin verabschiedet sie sich in den Ruhestand. Zuvor zog sie noch einmal Bilanz: „Es braucht sehr, sehr viel Geduld, um etwas umzusetzen“, so ihre erste Zusammenfassung.
Fremdunterbringung reduzieren, Arbeit stärken
Positiv in Erinnerung geblieben ist Harasser etwa die Implementierung der Schulsozialarbeit und der Prozessbegleitung, aber auch, dass es gelungen ist, Kindern in Disziplinarverfahren Vertrauenspersonen zur Seite zu stellen. „Es ist einiges passiert, doch es bleibt noch viel zu tun.“ So hätten Kinder und Jugendliche nach wie vor das Gefühl, von der Politik nicht gehört zu werden. Und zu viele Minderjährige – 2022 waren es in Tirol 857 – seien fremduntergebracht. Man müsse hier präventiv gegenarbeiten.
Wichtig ist Harasser auch, dass der Stellenwert von Menschen, die mit der Jugend arbeiten, steigt. „Das wird oft nicht als richtige Arbeit anerkannt.“ Dass zuletzt Quereinsteiger und Soldaten für Schulen gesucht wurden, verstärke das, kritisiert Harasser: „Es suggeriert, dass das jeder kann.“ Allgemein fordert sie eine umfassende Schulreform.
21 Fälle, in denen Lehrer Fehltritte begingen
Auch in der Beratung der Kija ist das Thema Schule präsent. In der Bilanz verzeichnete man 92 Fälle, in denen sich jemand mit schulischen Problemen an sie wandte. 21 davon betrafen – teils schwerwiegende – Probleme mit Lehrpersonen. Die Kija fordert hier mehr Handhabe, betont aber, dass es sich um Einzelfälle handle.
Wir müssen nicht sagen, dass junge Menschen unsere Zukunft sind. Sie sind unsere Gegenwart, und sie brauchen jetzt Hilfe.
Elisabeth Harasser, Kinder- und Jugendanwältin Tirol
Verpflichtende Kinderschutzkonzepte gefordert
Eine weitere Forderung brachte Sozialarbeiterin Vivien Riedl vor: Kinderschutzkonzepte sollten künftig verpflichtend für alle Einrichtungen gelten, in denen Kinder betreut werden. Tatsächlich müssen Elementareinrichtungen bis September 2024 ein Konzept vorlegen, das Risiken definiert und entsprechende Maßnahmen vorschreibt.
Das wünscht sich die Kija aber auch für Schulen und außerschulische Einrichtungen, die mit Kindern arbeiten, etwa Sport- und Kulturvereine. Bei der Ausarbeitung der Konzepte brauche es allerdings Unterstützung.
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