Es ist ein viel geteiltes Video: Zwei Kapuzineräffchen müssen dem Pfleger einen Stein geben und bekommen dafür eine Belohnung. Doch während einer die begehrte Traube verspeisen darf, gibt es für den anderen nur ein fades Stück Gurke. Das wirft er kurzerhand dem Pfleger um die Ohren und rüttelt tief empört an seinem Käfig. Sprich: Das Tier erkennt die Ungerechtigkeit und reagiert – nun ja – einfach menschlich.
Die „Gurken-Trauben-Studie“ stammt vom berühmten Verhaltensforscher Frans de Waal, der dieser Tage mit 75 Jahren verstorben ist. Er war es, der den Menschen ein wenig von seinem hohen Thron stieß. Und ihn im Selbstverständnis, das Maß aller Dinge in der Natur zu sein, erschütterte. In seinen lebenslangen Forschungen ging er der Frage nach, wie viel „Affe in uns“ steckt. De Waal entdeckte, dass sich Affen nach einem Streit versöhnen, dass sie Empathie und Mitgefühl empfinden können und einen Sinn für Gerechtigkeit besitzen. Aber vor allem: Dass die Kluft zwischen Mensch und Tier gar nicht so groß ist, wie man(n) jahrhundertelang postuliert hatte.
„Wir überschätzen ständig die Komplexität unserer Handlungen“, meinte de Waal einmal. „Ich habe den Affen ein wenig näher an den Menschen herangerückt, aber ich habe den Menschen auch etwas heruntergeholt.“ Und wenn man sich in der Welt heute umsieht, dann beschleicht einen ohnehin der Verdacht, dass der Affe der bessere Mensch ist . . .
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