"Krone": Herr Koller, Fußball-Österreich rätselt, wie man sich gegen einen Underdog so blamieren kann wie Salzburg gegen Düdelingen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Marcel Koller: Als Schweizer weiß ich, dass wir auch einmal gegen Luxemburg verloren haben. Als Teamchef sage ich, dass man an Salzburg näher dran sein müsste, um das wirklich beurteilen zu können.
"Krone": Aber aus der Distanz - was denken Sie?
Koller: Dass man Spielern keine neue Philosophie, Taktik und Theorie in kurzer Zeit beibringen kann, zumal Salzburg keine lange Vorbereitung hatte. Das dauert bei einem Klub Monate und bei einem Nationalteam Jahre.
"Krone": Da klingt aber durch, dass Sie Didi Mateschitz zu mehr Kontinuität statt zu permanenten Wechseln von Sportdirektoren und Trainern raten.
Koller: Ich rate Herrn Mateschitz gar nichts. Ich sage nur, dass neue Philosophien und neue Ideen eben Zeit brauchen, bis man diese umgesetzt hat.
"Krone": Aber hätten die hoch bezahlten Profis nicht trotzdem die blutigen Amateure ausschalten müssen?
Koller: Mir haben schon die Aussagen der Salzburger nach dem 0:1 im Hinspiel nicht gefallen. Da hieß es etwa, der Platz sei so klein gewesen - für mich waren das keine Argumente, sondern Ausreden.
"Krone": Sehen Sie auch die Nationalmannschaft durch Salzburgs Europacup-Aus in Mitleidenschaft gezogen?
Koller: Ich sehe das Bild des österreichischen Fußballs angekratzt, die Blamage hat aber für das Team keine Auswirkungen.
"Krone": Andererseits: Gerade für die jungen Salzburg-Profis, die ja auch fürs Team interessant sind, wäre es wohl auch in Blickrichtung Nationalmannschaft wichtig, auch beim Klub internationale Erfahrung zu sammeln.
Koller: Das stimmt. Die Erfahrungswerte, sich vielleicht sogar in der Champions League gegen die Besten zu messen, die gehen ab.
"Krone": Apropos: David Alaba wird beim nächsten Länderspiel abgehen. Wann rechnen Sie wieder mit ihm?
Koller: Ich habe ihn fürs Deutschland-Spiel noch nicht abgeschrieben, am Mittwoch mit ihm telefoniert. Da klang er schon besser als vor der Operation, vor der er völlig down war.
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