ÖVP-Bürgermeister Matthias Weghofer übt vor dem Parteitag in einem E-Mail massive Kritik an Landesparteiobmann Christian Sagartz. Zugleich fordert er ihn auf, abzutreten. Die Landespartei reagiert vorerst gelassen darauf.
Für den türkisen Landesparteichef war es kein guter Start ins neue Jahr. Mit Jahresanfang erhielt Christian Sagartz per E-Mail eine Rücktrittsaufforderung von Langzeit-Ortschef Matthias Weghofer aus Wiesen. Im Schreiben gibt es auch harsche Kritik am Obmann, der sich beim Parteitag am Samstag der Wiederwahl stellt und sich damit auch als Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Position bringt. „Deine Kandidatur wird für die ÖVP-Burgenland zu einem Desaster werden“, heißt es in dem Schreiben von Weghofer im Hinblick auf die Landtagswahl. Die E-Mail ging unter anderen auch an Bundeskanzler Karl Nehammer, ÖVP-Generalsekretär Christian Stocker, Klubobmann Markus Ulram und Landwirtschaftskammerpräsident Niki Berlakovich.
Generalabrechnung mit dem Parteichef
Sagartz fahre als EU-Abgeordneter „in der Weltgeschichte“ herum, sei aber im Burgenland nicht präsent. „Nur in Albanien, Bosnien, Bulgarien, Montenegro, Kasachstan, Kosovo, New York (Christmas Shopping) auf EU-Kosten, Nordmazedonien und vielen anderen EU-Ländern wirst du keine ÖVP-Stimmen gewinnen“, meint Weghofer. Bestätigt worden sei das durch die Gemeinderatswahlen 2022, bei der die ÖVP elf Bürgermeister verloren habe. Auch dafür würde Sagartz die Verantwortung tragen.
„Befremdlich finde ich, dass du ein Ämterkumulierer bist und sich dadurch die ÖVP-Burgenland nicht entfalten kann“, geht es in derselben Tonart weiter. Sagartz sei Europa-Abgeordneter, ÖVP-Landesparteiobmann, ÖAAB-Landesobmann und Bezirksparteiobmann in Mattersburg. „Die vielen Ämter kannst du schon aus Zeitgründen nicht zum Wohle der Burgenländer erfüllen“, ist sich Weghofer sicher.
Stattdessen bringt Weghofer andere Kandidaten für den Landesparteiobmann ins Spiel, wie den Hornsteiner Bürgermeister Christoph Wolf, den Kohfidischer Ortschef Norbert Sulyok, Klubobmann Markus Ulram, ÖAAB-Generalsekretär Christoph Zarits oder Landwirtschaftskammer-Präsident Niki Berlakovich. Im Burgenland wäre man nicht der Meinung, dass Sagartz nicht der Mann sei, der die ÖVP zum Erfolg führen könne. „Viele sagen sogar: ,Du bist der Totengräber der ÖVP-Burgenland’“, legt Weghofer noch einmal nach.
Wenn Du einen Funken Anstand hast und für die ÖVP-Burgenland etwas Gutes tun möchtest, dann trete zurück und lass einen beseren Kandidaten, von denen es mehrere gibt, zu.
ÖVP-Bürgermeister Matthias Weghofer
Zum Abschluss gibt er der Landesobmann noch mit, dass er, wenn er einen Funken Anstand habe und der Partei etwas Gutes möchte, zurücktreten und einen besseren Kandidaten zulassen würde. Gegenüber der „Krone“ meint Weghofer: „Ich stehe zudem, was ich im E-Mail geschrieben habe.“ Allerdings habe er bisher noch keine Antwort bekommen.
Landespartei zeigt sich gelassen
„In den letzten 30 Jahren hat sich Matthias Weghofer aus persönlichen Befindlichkeiten noch an jedem Parteiobmann gerieben. Wir nehmen das auch dieses Mal zur Kenntnis“, meint Landesgeschäftsführer Patrik Fazekas in einer ersten Reaktion. Parteiinterne Kritik würde es in jeder Partei geben. Es gehöre zur politischen Auseinandersetzung dazu und müsse man aushalten.
Klubobmann Ulram und Landwirtschaftskammer-Chef Berlakovich, wollten sich nicht zum Mail äußern.
„Sagartz ist weit weg von den Bürgern“
Aber ist Weghofer mit seiner Kritik nur ein „Einzeltäter“? So genau lässt sich das nicht festmachen. Ein Bürgermeister, der nicht genannt werden will, geht von einem guten Ergebnis für Sagartz beim Parteitag aus. Weghofer sei „relativ spät“ dran mit seiner Kritik, so etwas gehöre nicht kurz vor dem Parteitag geklärt. Der Ortschef lässt aber durchklingen, dass auch er sich mehr Einsatz von seinem Parteichef wünschen würde.
Sulyok - der laut eigenen Angaben 2015 aus der Partei ausgetreten ist, aber bei der letzten Wahl für die ÖVP auf der Liste stand - teilt schärfer gegen Sagartz aus: Zum Parteitag sei vor allem der „Unterstützungsverein“ von Sagartz eingeladen worden, kritische Stimmen hingegen nicht. Im Team des ÖVP-Obmanns würden sich Personen finden, die nicht einmal ein Gemeinderatsmandat hätten bzw. nicht bereit wären, sich auf eine Liste setzen zu lassen. Die Ortsparteien würden vernachlässigt werden. „Sagartz ist mit seiner EU so weit weg von den Bürgern“, meint Sulyok.
Der ebenfalls im Mail genannte Wolf meint nur, dass er mit seiner Funktion als Bürgermeister „sehr zufrieden“ ist. Auch Markus Ulram und Niki Berlakovich wollten sich zu der Causa nicht äußern.
Rückendeckung für Sagartz beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsbundes
Beim Neujahrsempfang des Wirtschaftsbundes in Güttenbach war das Störfeuer aus Wiesen kaum ein Thema. Vielmehr zeigte sich, dass die Funktionäre hinter dem Parteichef stehen. Wirtschaftskammer-Präsident Andreas Wirth stärkte Sagartz den Rücken: „Danke Christian, gemeinsam werden wir noch viel auf den Weg bringen.“
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