Versicherungen geraten bei Konsumentenschützern zunehmend in die Kritik. Teils geht es um extrem hohe Abgaben und unfaire Zinsforderungen. Hohe Gebühren fallen sogar bei gewagten Anlagestrategien an. Für spekulative Finanzprodukte des Unternehmens werden die Klienten kräftig zur Kasse gebeten.
Die Teuerung hat ihre Tücken. Das bekommen Versicherungskunden schmerzhaft zu spüren. Oft leiden sie unter teils extrem hohen Gebühren. SPÖ-Nationalratsabgeordneter Christian Drobits geht dagegen vor. Neue Fälle, die jetzt bekannt werden, sorgen für Ärger. Betroffen ist ein Pensionist aus Breitenbrunn, der ab 1. Dezember 1994 einer namhaften Versicherung treu war.
Konsumenten empört
Dem Burgenländer ist es nicht leicht gefallen, die Prämien zu bezahlen. Umso enttäuschter war er über den hohen Verlust, den er nach Ablauf der Frist wegstecken musste. Er hatte insgesamt 59.413 Euro eingezahlt, aber erhielt nur 44.782 Euro zurück. 14.631 Euro sind weg!
Wo ist das restliche Geld?
Der Verlust geht teilweise auf einen sogenannten Risikoanteil von ungefähr 19.000 Euro zurück, wie der Verein für Konsumenteninformation (VKI) dem verunsicherten Kunden mitgeteilt hat. „Tatsache ist, dass dieser Abzug die risikoreiche Anlagestrategie der Versicherung widerspiegelt, jedoch nicht das Anlagerisiko des Kunden. Die Versicherung hat sein Geld in spekulativen Finanzprodukten angelegt, wodurch hohe Verlustrisiken entstehen, die dann auf den Kunden abgewälzt werden“, deckt Drobits auf.
„Verlust ist erschreckend“
Einen noch herberen Rückschlag musste ein Kunde (60) aus Neusiedl am See hinnehmen, der 1991 eine Lebensversicherung abgeschlossen hatte. Statt des im Jahr 1991 erwarteten Auszahlungsbetrages von fast einer Million in der alten Schilling-Währung, umgerechnet 72.673 Euro, bekam der Burgenländer jetzt lediglich 49.210,41 Euro zurück.
Die aktuellen Fälle aus dem Burgenland sind nur die Spitze des Eisbergs. Es gibt sehr viele Beschwerden aus ganz Österreich.
Christian Drobits, Konsumentenschutzsprecher der SPÖ
Inflationsbereinigt hätte er heutzutage eigentlich 131.038 Euro erhalten müssen. „Genau genommen, macht der Verlust somit 81.827,59 Euro aus. Das ist eine gewaltige Summe und ein klarer Beleg dafür, dass viele Konsumenten von den Versicherungen getäuscht und abgezockt werden“, bekräftigt Drobits seine grundsätzliche Kritik an den dubiosen Verrechnungsmethoden.
Minister schaltet sich ein
Die Causa, die im vergangenen November publik geworden ist, hatte für großes Aufsehen gesorgt. Dieser Fall steht für Drobits exemplarisch für die Probleme von sehr vielen Versicherungsnehmern: übertriebene Kosten, geringe Transparenz und enttäuschend geringe Auszahlungen. Nachdem der SPÖ-Parlamentarier die Causa im letzten Konsumentenschutzausschuss vorgebracht hatte, kommt laut Drobits „nach einer langen Blockade der Regierungsparteien endlich Bewegung in die Angelegenheit“.
Unzulässige Klauseln im Fokus
Der grüne Bundesminister Johannes Rauch hat eine umfassende Analyse und einen Bericht angekündigt. Darüber hinaus wolle er alle Konsumentenschutzsprecher zu einem Gespräch über die Thematik einladen. „Das ist ein erster wichtiger Schritt! Es scheint, der Ernst der Lage ist erkannt worden. Eine faire Behandlung der Kunden muss sichergestellt sein“, betont Drobits.
Der SPÖ-Konsumentenschutzsprecher hat bereits zwei Anträge eingebracht. Darin wird unter anderem die Überprüfung unzulässiger Kostenabzugsklauseln bei Lebensversicherungen gefordert.
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