Berichte aus dem Leben

Kaum ein Gewalttäter will einer sein, ist es aber

Burgenland
07.12.2023 09:00

Die Bilanz ist erschreckend: Fast ein Fünftel aller Frauen in Österreich leidet unter gewalttätigen Männern. 740 Gefährder musste der Verein Neustart bislang im Burgenland betreuen. Die Arbeit ist schwierig, wird jedoch als vielversprechender bewertet als erwartet.

Verstärkt wird der Kampf gegen Gewalt an Frauen. Die Bundesregierung schnürt ein ganzes Maßnahmenpaket, um Übergriffe schon im Keim zu ersticken und in bereits eingetretenen Ernstfällen die Verurteilungsrate der Täter vor Gericht zu erhöhen. Das Budget wird verdreifacht.

Problem der Männlichkeit
Seit September 2021 sind im Burgenland Gewaltpräventionsberatungen verpflichtend, sobald die Polizei ein Betretungs- und Annäherungsverbot verhängen musste. Bisher sind 740 Gefährder gemeldet. „Wenn wir von Gewalt in der Privatsphäre reden, sprechen wir fast immer über jene von Männern gegen Frauen. Das Grundproblem liegt im noch weit verbreiteten Bild von Männlichkeit und patriarchalen Strukturen“, berichtet Alexander Grohs, Leiter des Vereins Neustart, über seine beruflichen Erfahrungen.

Männer in Klischee-Rollen
Neustart kümmert sich um die Gefährder. Laut den Erkenntnissen begegnet oft der Mann seiner Partnerin nicht auf Augenhöhe. „In vielen Beziehungen wird der weibliche Part nicht als gleichwertig erachtet“, heißt es in den Besprechungen unter den Sozialarbeitern.

„Männer sehen sich in die Rolle gedrängt, der Stärkere, der Mächtigere sein zu müssen. Das kann zu sozialer, psychischer bis hin zu körperlicher Gewalt führen“, erklärt Grohs: „Wenn ein Mann so erzogen wurde, dass er nur ,männliche’ Gefühle wie Wut oder Hass fühlen und zeigen darf, aber nicht Sorge, Angst oder Zweifel, dann haben wir ein Problem. Denn wie soll ein Betroffener, der selbst seine Gefühle nicht zeigen kann, nachvollziehen, was er bei jemand anderen anrichtet?“

Die Spirale dreht sich
Trotz aller Schwierigkeiten werden die Beratungen großteils als aussichtsreich eingeschätzt. „In den meisten Fällen gibt es durchaus gute Ansatzpunkte. Mithilfe einer Auseinandersetzung mit dem Männlichkeitsbild lassen sich positive Entwicklungen in Gang bringen“, weiß der Neustart-Experte. Sein Resümee: „Kaum ein Gewalttäter will einer sein. Ohne der geeigneten Unterstützung finden sie allerdings nur schwer den Weg aus der eigenen Gewaltspirale.“

Fakten

Im Burgenland können sich Betroffene an das Frauenhaus Burgenland, das Gewaltschutzzentrum Burgenland, an eine der sieben Frauenberatungsstellen des Landes oder die bundesweite 24-Stunden-Frauen-Helpline 0800/222 555 wenden.

Gewalt als No-Go
Eine längerfristige Betreuung erweist sich demnach in vielen Fällen als effektiv. „Bei 40 Prozent trifft das zu, ob freiwillig in einer Therapie, einer Männerberatung oder vorgeschrieben wie etwa in der Bewährungshilfe“, teilt Neustart mit. Gleichzeitig soll die Bevölkerung im Zuge der Initiative „16 Tage gegen Gewalt“ für das Thema sensibilisiert werden. „Gewalt in der Privatsphäre muss gesellschaftlich als No-Go gelten. Jede Frau muss wissen, an welche Stellen und Opferschutzeinrichtungen sie sich sofort wenden kann“, sagt Grohs: „Wir alle sind gefordert, bei diesem Thema klar Stellung zu beziehen und nicht wegzusehen!“

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