Der Schmäh rennt am Rande der stilvoll inszenierten Bundesliga-Auftakt-Pressekonferenz. "Spätestens um zwöfe bin i weg", scherzt Wiener-Neustadt-Coach Peter Stöger in die gut gelaunte Trainer-Runde: "Ich muss ja den Platz herrichten, damit wir am Sonntag spielen können." Dabei scheint der Schlager Wiener Neustadt gegen Rapid am Sonntag (Anpfiff um 16 Uhr) ohnehin planmäßig über die Bühne gehen zu können.
Im Gegensatz zur Partie vom herbstlichen Überraschungsteam Admira, das am Samstag um 18.30 Uhr den Kapfenberger SV empfangen hätte sollen. Die Partie wurde aber abgesagt. Für Trainer Didi Kühbauer, der im Frühjahr gerne wieder "die Großen ärgern" will, die absolut richtige Entscheidung. "Die Verletzungsgefahr wäre viel zu groß gewesen. Man kann bei uns im Stadion höchstens einen Skatingschritt machen. Als Trainer hätte ich einen Anpfiff des Spiels nicht verantworten können."
"Es gibt keinen Ersatztermin"
Was wiederum die Bundesliga in die Bredouille bringen dürfte. Denn der von der UEFA vorgegebene Zeitplan bis zum Start der Europameisterschaft und darüber hinaus ist sehr straff, erlaubt es laut Liga-Vorstand Georg Pangl auch nicht, eine Woche später mit der Rückrunde zu beginnen. "Es gibt schlicht keinen Ersatztermin für eine komplette Runde", so Pangl.
Das wiederum nahm Ried-Trainer Paul Gludovatz zum Anlass, um vor versammelter Presse mit einem Input in Richtung Verkürzung des Spielplans vorzupreschen. Er forderte "die Reduzierung der Spiele bei Beibehaltung der beiden Zehner-Ligen in den zwei obersten Spielklassen. Oder glauben Sie", fragte er die zahlreichen Medienvertreter, "dass der österreichische Fußball schlechter dastehen würde, wenn wir nur 30 oder 32 Bundesliga-Spiele auszutragen hätten?"
Vastic: "Kienast ein echter Führungsspieler"
Um das erste Bundesliga-Spiel seiner Rieder im neuen Jahr braucht sich Gludovatz jedenfalls keine Sorgen zu machen. Die Partie bei der Wiener Austria sollte dank der Rasenheizung in der Generali Arena planmäßig am Samstag um 16 Uhr angepfiffen werden können. Dabei wird der mediale Fokus allerdings weniger Gludovatz als vielmehr seinem Pendant auf Seiten der Hausherren gelten. Ivica Vastic gibt nämlich bei den Veilchen sein Debüt als Cheftrainer. Dem er nicht zuletzt dank der Neuzugänge optimistisch entgegenblickt. Vor allem von Roman Kienast zeigt er sich angetan. "Er kann nicht nur Tore machen, sondern arbeitet auch viel für die Mannschaft, ist ein echter Führungsspieler."
Tore machen kann definitiv auch ein Neuzugang bei Red Bull Salzburg, von den Bundesliga-Trainern mehrheitlich zum Titelfavoriten Nummer eins gestempelt, machen: Ex-Barcelona-Striker Jonathan Soriano. "Er weiß, wo das Netz hängt", bringt es Trainer Ricardo Moniz auf den Punkt. Der Chef-Bulle kann übrigens mit der Favoritenrolle gut leben. "Ich glaube zwar, dass uns die Außenwelt besser einschätzt als wir wirklich sind, aber als Trainer von Salzburg muss ich damit leben, als Favorit auf die Meisterschaft zu gelten."
Schöttel: "Konkurrenz muss Fehler machen"
Deutlich bescheidener gibt sich da Rapid-Coach Peter Schöttel. Obwohl er mit seiner Truppe auf Platz eins überwinterte, glaubt der Erz-Rapidler, "dass da schon sehr viel zusammenpassen müsste, damit wir tatsächlich Meister werden können: Wir müssten uns gegenüber dem Herbst in allen Belangen steigern und die Konkurrenz müsste Fehler machen." Dass sich die Grün-Weißen in der Winterpause nicht auf Shoppingtour begeben haben, sieht Schöttel jedoch keineswegs als Nachteil. "Wir haben einfach die Notwendigkeit nicht gesehen. Ich habe ja mehrfach betont, eher zu viele als zu wenige Spieler im Kader zu haben." Erfreulich: Außenverteidiger Thomas Schrammel, der im Herbst einen Kreuzbandriss erlitten hatte, gab im Trainingslager in Portugal "nach sensationell kurzer Regenerationszeit" sein Comeback über 90 Minuten. Für Sonntag ist er aber trotzdem noch kein Thema, sagt Schöttel.
Sturms Okotie fällt aus
Endlich einmal weitgehend ohne Verletzungssorgen zeigt sich vor dem Rückrunden-Start Meistercoach Franco Foda von Sturm Graz. "Nachdem wir im Herbst großes Verletzungspech hatten, tut es schon sehr gut, jetzt praktisch wieder aus dem Vollen schöpfen zu können. Also glaube ich auch an ein gutes Frühjahr von uns." Nur Neuzugang Rubin Okotie wird beim Heimspiel der Blackies am Samstag gegen Mattersburg nicht mit von der Partie sein. Er liegt mit Fieber und Angina im Bett.
In den unteren Tabellenrängen geht es nicht ganz so eng zu wie in den oberen. Kapfenberg liegt bereits (frustrierende) sieben Zähler hinter dem rettenden neunten Platz, den der SV Mattersburg innehat. Coach Thomas von Heesen sieht sein Team mit der "mit Abstand schwierigsten Aufgabe" konfrontiert, hofft aber nicht zuletzt dank sieben Neuzugängen trotzdem noch auf den Klassenerhalt. Den übrigens Mattersburg-Trainer Franz Lederer ebenso wenig fix in der Tasche haben will wie Wiener-Neustadt-Coach Peter Stöger. Letzter erklärt: "Diejenigen, die uns vor der Saison als Fixabsteiger gesehen haben, sind jetzt sicher, dass wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Es kann aber noch alles passieren. Wir müssen uns bewusst sein, dass das, was wir im Herbst erreicht haben, alles harte Arbeit war. Wir dürfen also keine Sekunde locker lassen."
Das will auch Innsburck-Trainer Walter Kogler nicht: "Wir müssen noch den einen oder andern Punkt machen, um sicher den Abstieg abzuwenden. Aber wir wollen uns nach oben orientieren."
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