2. Chamonix-Abfahrt

Kanadier Jan Hudec siegt vor Baumann und Guay, Kröll 6.

Sport
04.02.2012 12:50
Einen Überraschungssieger hat am Samstag die zweite Herren-Abfahrt in Chamonix gebracht: Der Kanadier Jan Hudec feierte in 2:03,25 Minuten seinen zweiten Weltcupsieg und vereitelte damit den ersten Abfahrtssieg der Tirolers Romed Baumann. Dritter wurde Hudecs Landsmann Eric Guay. Vortagessieger Klaus Kröll landete vor Didier Cuche auf Rang sechs.

Hudec hatte bisher nur einen einzigen Weltcup-Sieg gefeiert. Am 24. November 2007 triumphierte er in seinem Heimrennen in Lake Louise. Im selben Jahr war der gebürtige Tscheche zuvor in Aare auch Vizeweltmeister in der Abfahrt geworden. Das kanadische Team präsentierte sich in Frankreich bärenstark und brachte mit dem Sensationsmann Benjamin Thomsen (+1,03), der mit der hohen Startnummer 50 ins Rennen gegangen war, sogar einen dritten Läufer in die Top 5.

"Ich bin sehr glücklich. Ich war schon gestern superschnell unterwegs, hatte aber in der letzten Kurve vor dem Ziel ein Problem und wurde deshalb nur Sechster. Heute habe ich diese Passage perfekt erwischt, und auch meine Startnummer war besser. Ich danke Gott", betonte Hudec, der am 19. August 1981 in Mähren geboren wurde, auf Deutsch. Als er zehneinhalb Monate alt war, waren seine Eltern nämlich mit ihm aus der Tschechoslowakei nach Deutschland geflüchtet. 1986 ging es dann mit entsprechendem Visum weiter nach Kanada, wo Hudec seither in der Olympiastadt Calgary lebt.

Cuche führt weiter im Abfahrtsweltcup
Kröll (+1,08) blieb erneut vor Abfahrts-Weltcup-Spitzenreiter Cuche, der 3/100 hinter dem Steirer Siebenter wurde und nun noch 36 Punkte Vorsprung auf den "Bullen aus Öblarn" hat. An der Spitze der Gesamtwertung gab es dagegen keine Veränderung, denn der führende Titelverteidiger Ivica Kostelic blieb als erneut 48. auch in der zweiten Chamonix-Abfahrt ohne Zähler und liegt damit weiter 80 Punkte vor dem Salzburger Technikspezialisten Marcel Hirscher in Front.

Nach dem Hundertstelkrimi vom Vortag, als Kröll 1/100 vor US-Star Bode Miller (diesmal Achter) gesiegt hatte (Bericht in der Infobox) und die ersten fünf innerhalb von 8/100 gelegen waren, distanzierte Hudec - auch dank perfektem Material - die Konkurrenz diesmal klar. Das Talent wurde ihm übrigens in die Wiege gelegt, sein gleichnamiger Vater ist ein ehemaliger tschechisch-slowakischer Ski-Staatsmeister.

Baumann hofft auf ersten Abfahrtssieg
Der Tiroler Baumann hatte nach seiner Fahrt eigentlich schon mit dem Sieg gerechnet. "Ich habe mich ein bisschen zu früh gefreut, nachdem ich im Ziel mit einer Zehntelsekunde Vorsprung geführt hatte. Denn ich dachte, es wird wieder so knapp wie gestern hergehen. Aber dass Jan am Ende mit mehr als einer halben Sekunde Vorsprung gewonnen hat - das ist nicht wenig, der muss brutal gut gefahren sein", betonte der Tiroler, der bereits in der stark verkürzten Abfahrt in Kitzbühel Zweiter und am Vortag Vierter geworden war.

"Ich weiß nicht, wie ich Hudec heute hätte schlagen sollen. Oben habe ich im Gegensatz zu gestern alles gut erwischt, nur unten im Flachen bin ich einmal kurz aus der Position rausgekommen. Das war aber der einzige Fehler und sicher keine halbe Sekunde", erklärte Baumann. "Ich freue mich aber jetzt schon auf die nächste Abfahrt in Sotschi. Ich bin in guter Form und hoffe, dass sich der erste Abfahrtssieg für mich noch diese Saison ausgeht."

Kröll mit Wochenende zufrieden
Auch Kröll erwischte den oberen Teil viel besser als am Freitag. "Aber im Mittelteil habe ich die Linie nicht so schön getroffen und den entscheidenden Rückstand aufgerissen", wusste der Steirer, warum er diesmal klar am Podest vorbeigefahren war. Summa summarum zog er aber ein positives Resümee: "Ein Sieg, ein sechster Platz und zweimal vor Cuche, da kann man sehr zufrieden sein", meinte Kröll, der Hudec gratulierte. "Wir haben gewusst, dass er schnell ist, nachdem er gestern schon bis zur letzten Zwischenzeit geführt hatte. Aber was er heute abgeliefert hat, das war gewaltig."

Der drittbeste ÖSV-Abfahrer, Joachim Puchner, war nach Platz 14 sauer und durchgefroren, hatte es doch am Start minus 22 Grad Celsius und im Ziel noch immer "knackige" minus 16. "Die Kälte hier ist brutal. Wenn man im Ziel abschwingt, spürt man gar nix mehr, kann den Mund kaum bewegen. Das ist absolut an der Grenze", gab der Salzburger zu Protokoll.

Raich erlitt bei Sturz Unterarmprellung
Sorgenfalten hatte man in Österreichs Skiverband nach dem Rennen wegen Benjamin Raich, der sich bei einem Sturz eine Prellung des rechten Unterarmes zugezogen. Das ergab eine genaue Untersuchung des 33-jährigen Tirolers im Mont-Blanc-Krankenhaus in Sallanches.

Damit ruhen die Hoffnungen auf einen Podestplatz wohl erneut auf Baumann. "Ich hoffe auf eine gute Abfahrtsleistung in der Super-Kombi und einen nicht zu schweren Slalom, da kann sich dann ein Stockerlplatz ausgehen", glaubt der 26-Jährige.

Ergebnis des Rennens:

RangNameNationZeit
1HUDEC Jan CAN 2:03.25 Min.
2BAUMANN Romed AUT 2:03.78
3GUAY Erik CAN 2:03.88
4FEUZ Beat SUI 2:04.00
5THOMSEN Benjamin CAN 2:04.28
6KRÖLL Klaus AUT 2:04.33
7CUCHE Didier SUI 2:04.36
8MILLER Bode USA 2:04.44
9CLAREY Johan FRA 2:04.49
10SPORN Andrej SLO 2:04.53
11THEAUX Adrien FRA 2:04.56
12FISHER Erik USA 2:04.68
13GISIN Marc SUI 2:04.74
14PUCHNER Joachim AUT 2:04.78
15PARIS Dominik ITA 2:04.85
16SVINDAL Aksel Lund NOR 2:04.86
17BERTRAND Yannick FRA 2:04.88
18STECHERT Tobias GER 2:04.96
19FRANZ Max AUT 2:05.00
20REICHELT Hannes AUT 2:05.18
21JANSRUD Kjetil NOR 2:05.20
22JANKA Carlo SUI 2:05.27
23ROMAR Andreas FIN 2:05.33
24FILL Peter ITA 2:05.34
25INNERHOFER Christof ITA 2:05.36
26KLOTZ Siegmar ITA 2:05.41
27GANONG Travis USA 2:05.75
28KEPPLER Stephan GER 2:05.76
29STREITBERGER Georg AUT 2:05.80
30OLSSON Hans SWE 2:05.81
Weiter:
35SCHEIBER Mario AUT 2:05.97
40MAYER Matthias AUT 2:06.21
51KRAMER Manuel AUT 2:07.34
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