"Schlammschlacht"

Strache sieht sich als Opfer beim WKR-Eklat

Österreich
01.02.2012 09:49
FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache sieht sich rund um den Eklat am WKR-Ball, der am Dienstag zur Verweigerung des "Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern" durch Bundespräsident Heinz Fischer geführt hat, als Opfer einer "parteipolitisch motivierten Schlammschlacht". Seine Aussagen zu "neuen Juden" und zur "Reichskristallnacht" seien von Journalisten bewusst aus dem Zusammenhang gerissen worden, beklagte er sich am Dienstag in der "ZiB 2" - um danach das ihm Vorgeworfene im Prinzip live im ORF zu wiederholen.

Seine Aussagen seien von den "Standard"-Journalisten völlig falsch berichtet worden, so Strache. Er habe "tiefstes Mitgefühl zu allen Opfern des unseligen nationalsozialistischen Regimes", stellte der sichtlich wütende Politiker zunächst klar. Um später unter anderem zu ergänzen, "dass diese totalitären Massenpsychosen, die damals passiert sind, auch dort (am WKR-Ball, Anm.) von den Besuchern erlebt worden sind und man gesagt hat: Jetzt kann man sich vorstellen, welches Leid die Menschen damals erleiden mussten".

Strache beruft sich auf Haider-Zitat
Vergleiche mit dem Nationalsozialismus hätten die Ball-Gegner getroffen, denn diese hätten die Gäste attackiert und etwa "Erschießt die Nazi-Schlampen!" gerufen. Das Pogrom von 1938 sei einzigartig, "Wir sind die neuen Juden" sei allerdings ein Zitat des verstorbenen Ex-FPÖ-Chefs Jörg Haider, das bei dem Ball zur Sprache gekommen sei. Dass die FPÖ in diesem Bereich klare Distanzierungen vermissen lasse, wies Strache zurück. Seine Partei habe mit Antisemitismus und Nationalsozialismus nichts zu tun. "Ich habe Schlussstriche gezogen", betonte der FPÖ-Obmann.

Weiters wetterte Strache erneut über "Bespitzelung", "fehlende journalistische Ethik", "Schmutzkübel-Kampagnen" und die "Art und Weise, wie die moralisch höchste Instanz der Republik" mit einem "völlig verdrehten Satz" umgehe. Der Bundespräsident habe sich nicht einmal persönlich an den FPÖ-Chef - der "freilich keineswegs" an eine Entschuldigung oder gar Rücktritt denkt - gewandt.

Bereits zuvor hatte sich Strache via Facebook über "bewusste Verdrehungen" in der Berichterstattung beklagt. Der Freiheitliche zog dabei gegen seine Kritiker vom Leder, die die "Dinge völlig aus dem Zusammenhang" herauslösten und sich "gezielter Verleumdungen und Manipulationen" bedienten. "Ein Armutszeugnis und Sittenbild unserer Zeit und deren Ungeist, jedoch auch deren nervöses Zeichen, dass immer mehr Österreicher und Bürger uns ihr Vertrauen zu Recht schenken!", schrieb er auf seiner Pinnwand.

Eklat um Judenvergleich
Strache hatte laut den Journalisten am Freitag die Teilnehmer des WKR-Balls angesichts der Gegendemonstrationen als die "neuen Juden" bezeichnet und einen Vergleich mit der "Reichskristallnacht" angebracht. Die Israelitische Kultusgemeinde IKG sprach daraufhin am Montag von einer "ungeheuerlichen Provokation" und kündigte eine Anzeige an. Am Dienstag gab Bundespräsident Fischer bekannt, dass er die Verleihung des "Großen Goldenen Ehrenzeichens mit dem Stern" an Strache vorerst verweigern werde (siehe Infobox).

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