"Schneepokalypse"

Alaska: Russischer Tanker rettet völlig eingeschneite Stadt

Ausland
15.01.2012 16:17
Es war ein wärmender Anblick für die 3.600 Einwohner einer abgeschnittenen Kleinstadt in Alaska: Nach einmonatigem Kampf durch das dicke Eis ist ein russisches Tankschiff am Samstag im eingeschneiten Nome im Westen des US-Bundesstaates eingetroffen. Geladen hat der Frachter dringend benötigtes Heizöl. Auch andere Regionen Alaskas haben mit extremer Kälte und enormen Schneemassen zu kämpfen - ganze Orte wurden von der teils zehn Meter hohen weißen Pracht "verschluckt".

Der rote Rumpf des rettenden Schiffes erhob sich im Zeitlupentempo in der Dämmerung aus den dicken Eisschollen. Die "Renda" (Bild) hatte sich mithilfe eines Eisbrechers der US-Küstenwache (Bilder 2 und 3) unter Gefahren durch die Beringstraße gekämpft.

Geladen hat das 100 Meter lange Frachtschiff rund 3,8 Millionen Liter Benzin und Diesel. "Endlich brauchen wir keine Angst mehr vor dem Frieren zu haben. Unsere Energievorräte wären in wenigen Wochen zur Neige gegangen", stöhnte Kip Wadlow, Sprecher der US-Küstenwache, erleichtert. "Dann wäre es kalt geworden."

Erst dritter Versuch brachte Durchbruch
Ein heftiger Schneesturm hatte im November die übliche Öllieferung in die Hafenstadt verhindert. Sie ist nur über den See- oder Luftweg, nicht aber über Straßen oder per Eisenbahn zu erreichen. Auch ein zweiter Anlauf mit auf Barkassen umgeladenem Öl scheiterte - diesmal am dicken Eis.

Schließlich machte sich der russische Frachter im Gespann mit dem hochmodernen US-Eisbrecher auf den 480 Kilometer langen Weg durchs Eis - mit einer Sondergenehmigung der US-Behörden, die solche Lieferungen normalerweise nur amerikanischen Schiffen erlaubt.

"Nun warten wir darauf, dass das Eis um das Schiff wieder auf eine sichere Dicke gefriert, damit die Besatzung aussteigen und mit der Entladung beginnen kann", so Wadlow. Über einen langen Schlauch soll das Heizöl dann in die Docks der Hafenstadt gepumpt werden. "Jetzt ist unser Öl für den Winter gesichert", freute sich auch Warren Trigg, Rezeptionist eines Hotels in der Kleinstadt. "Diese Saison stellt uns auf eine harte Probe."

Zweistöckige Häuser im Schnee verschwunden
Auch andernorts verzweifeln die ohnehin an Kälte gewöhnten Menschen in Alaska am extremen Winterwetter (weitere Bilder). Sogar ältere Bewohner des nördlichsten US-Staates gaben Medien gegenüber an, sich nicht erinnern zu können, jemals solche Schneemassen erlebt zu haben. Viele Regionen sind völlig in der weißen Pracht versunken, Temperaturen von bis zu minus 35 Grad sind an der Tagesordnung.

So ist etwa die Stadt Cordova nahe der kanadischen Grenze vollkommen eingeschneit. Zwei Stockwerke hohe Häuser seien in den weißen Massen verschwunden, die sich teilweise mehr als zehn Meter aufgetürmt haben, schrieb die Lokalzeitung "Cordova Times" am Samstag in einem Beitrag mit dem Titel "Snowpocalypse". Einige Gebäude hielten den Schneemassen nicht mehr stand und krachten zusammen. Meldungen über Tote und Verletzte gab es zunächst nicht.

Es habe im vielen Teilen des Bundesstaates 24 Tage nacheinander geschneit, der übliche Jahresdurchschnitt an Schneefall sei bereits um das Doppelte übertroffen, berichtete der TV-Sender ABC. Die Schulen hätten nach den Weihnachtsferien noch nicht öffnen können und der Straßenverkehr sei zum Erliegen gekommen.

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