„Krone“-Kinokritik

Großes Kino um den Vater der Atombombe

Kino
19.07.2023 18:00

Der Thriller „Oppenheimer“ punktet mit Top-Besetzung und Spannung.

Die Druckwelle, die sich am 16. Juli 1945 in der Wüste von New Mexico entlädt, ist von infernalischer Wucht. Zuvor hatte sich ein sich ausbreitender Feuerball in den Himmel gebrannt, und sein gleißendes Leuchten verheißt pure Vernichtung. Der Mann, der hinter diesem Experiment steht, ist der jüdische Physiker J. Robert Oppenheimer, der in diesem Moment wissenschaftlich-verklärter, ja verstrahlter Euphorie - durch den erfolgreich absolvierten Test der von ihm auf den Weg gebrachten nuklearen Waffe - zum Zerstörer von Welten wird. Man wird ihn, Oppenheimer, hier gespielt von Cillian Murphy, später als den „Vater der Atombombe“ bezeichnen.

Seit jeher wird Regisseur Christopher Nolan von Charakteren angezogen, die in ihrer Motivation unendlich komplex sind. Als Leiter des US-amerikanischen Manhattan-Projekts, in dem es auch darum ging, die Nazis in Sachen Nuklearwaffen zu überrunden, rückt Oppenheimer in diesem Biopic in den Mittelpunkt.

Wie Nolan in einem Wechsel aus Schwarz-Weiß-Passagen und Farbbildsequenzen die Konflikthaftigkeit dieses Unterfangens beleuchtet, ja wie er Oppenheimer als einen von den ethischen Dilemmata seiner Forschung gequälten paranoiden Pionier zeigt, der in dem Wissen um die destruktive Macht, die er auf die Welt losließ, mit sich ringt, ist großes thematisch verstörendes Kino. Dass dieses Hineinspüren in Oppenheimers satanische, einem brillanten Intellekt entspringende Neugier in weiten Teilen mit der eindringlichen Präzision analoger IMAX-Kameras eingefangen wird, ganz ohne Digitaleffekte, verleiht dem Film eine beängstigende Unmittelbarkeit.

Fünf Oscarpreisträger in der Besetzung
Und dass Nolans dreistündiges Tableau, das sich zwischen den Resultaten megalomanischer Quantenphysik und einer dadurch für immer veränderten Weltpolitik aufbläht, in jeder Sekunde fesselt, liegt nicht zuletzt an dem Top-Cast, zu dem u. a. mit Casey Affleck, Rami Malik, Sir Kenneth Branagh, Matt Damon und Gary Oldman fünf Oscarpreisträger zählen. Und der irische Schauspieler Cillian Murphy, der u. a. in Nolans Filmen „Inception“ oder „Dunkirk“ mitwirkte, empfiehlt sich ebenfalls für eine Oscar-Nominierung. Auch Emily Blunt weiß als Oppenheimers Frau zu überzeugen!

„Oppenheimer“ ist ein Kino-Event unter Neutronenbeschuss mit sprichwörtlich hoher Halbwertszeit, der sein Publikum spalten wird. Vergessen wir nicht: Wir leben im Jahr 78 nach dem allerersten fatal-tödlichen Glühen am Firmament. Und hurra, wir leben noch!

Christina Krisch
Christina Krisch
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