Carlos Alcaraz oder Novak Djokovic - wer holt den Titel in Wimbledon? Im entscheidenden Match setzt Stefan Koubek klar auf den abgebrühteren Serben - hier lesen Sie Koubeks „Krone“-Kolumne:
Die Aussage von Djokovic nach dem Rublew-Match, „die Jungen wollen meinen Skalp, aber sie kriegen ihn noch nicht“, zeigt, dass er auch Humor hat, aber sie spiegelt auch genau seine Einstellung wider. Er weiß, dass er auf der Abschussliste der Jungen steht, aber er fühlt, dass er die Position noch nicht abgeben muss - und er will es auch nicht. Für mich ist Djokovic, das habe ich schon vor dem Turnier gesagt, ganz klar der Favorit. Wurscht, wie viel Geld man mir geben würde, ich würde alles auf ihn setzen.
Warum? Das hat sicher auch mit dem Halbfinale in Roland Garros zu tun. Da war Alcaraz vielleicht ein wenig zu favorisieren, aber während beim Spanier meiner Meinung nach auch die Nerven mitgespielt haben, konnte Djokovic mit dem immer größer werdenden Selbstvertrauen auf Sand noch mehr aus sich herauskitzeln. Deshalb würde ich es so formulieren: Alcaraz - beeindruckend, was der in seinem Alter schon kann - ist die Zukunft, Djokovic das Hier und Jetzt!
Der „Djoker“ ist in den Kriegswirren aufgewachsen, wurde zum Kämpfer, dazu kommt seine Besessenheit vom Erfolg, ein variantenreiches Spiel und eine unglaubliche Fitness. Seine Einstellung ist einfach sensationell. Er ordnet alles dem Tennis unter, gefühlt jede Minute am Tag. Und seine Erfolge sind eine Kombination aus all diesen Dingen. Er ist der größte Spieler aller Zeiten, vielleicht nicht der sympathischste, aber er ist kein Unguter. Und ich habe größten Respekt davor, wie er mit Reaktionen von außen umgeht, in den letzten Jahren musste er ja wirklich viel einstecken.
Auf dem Platz sind seine Leistungen ja salopp gesagt krank, ich verstehe manchmal nicht, wie das geht. Ich weiß, wie dünn die Luft an der Spitze ist. Aber der „Djoker“ spielt seit 20 Jahren mit der Zielscheibe am Rücken und besteht. Mein Fazit: Beide haben ein unfassbares Turnier gespielt, aber Djokovic ist auf Rasen besser und abgebrühter - er gewinnt 3:1.
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