Ach, übrigens...

Neulich im Treptower Park

Vorarlberg
21.05.2023 10:25

„Krone Vorarlberg“-Autor Harald Petermichl nimmt sich in der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ des Themas „Social Media“ an. Allerdings geht es weniger darum, wie die Jugend mit Insta, Facebook usw. umgeht. Im Fokus steht DFB-Vizepräsident Hermann Winkler, der in der vergangenen Woche von sich reden machte.

Als Mitte der 1990er-Jahre das aufkam, was heute unter dem Begriff „Social Media“ firmiert, waren die Hoffnungen groß. Endlich sollten alle in der Lage sein, ihre Meinung öffentlich und unaufwändig kundzutun, endlich sollten wichtige Informationen quasi in Echtzeit verbreitet werden können. Zumindest ein Teil dieses großen Ganzen ist längst zu einem unlösbaren Problem geworden, weil 168 Stunden pro Woche niemand mehr vor tumben, homo- und xenophoben oder hassverbreitenden Mitteilungen auf den einschlägigen Portalen sicher ist und weil das damit einhergehende Logorrhoe-Syndrom längst pandemische Ausmaße angenommen hat.

Der Winkler-Post
DFB-Vizepräsident Hermann Winkler hat dies jüngst eindrucksvoll bestätigt. Offenbar stand er im Stau, fand keinen Parkplatz oder konnte kein erfrischendes Bad in der Spree nehmen, weshalb er nichts Besseres zu tun hatte, als vor dem sowjetischen Ehrenmal im Treptower Park zu posten: „Dank Allgemeinverfügung aufgrund des Besuchs eines ehemaligen ukrainischen Schauspielers ist die City weitestgehend abgeriegelt, die Spree für Touristen teilweise gesperrt.“ Wäre Winkler (ehemaliger Entwicklungsingenieur für Chemieanlagen) der eigentlich recht bewährten Maxime „Erst denken, dann posten“ gefolgt, hätte er sich wohl den Rüffel des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf (ehemaliger Journalist) erspart, aber dieser Grundsatz scheint dem Muldentaler (ehemaliger Sprecher der ostdeutschen CDU-Europaabgeordneten), der sich schon 2016 in der „SUPERillu“ für Koalitionen zwischen seiner Union und einer vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuften Partei ausgesprochen hat, einigermaßen fremd zu sein.

Kein „Putinversteher“
Wie der DFB, der sich fürs Erste mit Winklers „emotionaler Entschuldigung“ und seiner Beteuerung, er sei kein „Putinversteher“, zufriedengegeben hat, weiter mit der Sache umgeht, werden wir wohl am Mittwoch erfahren. Dann wird bei der Tagung der Regional- und Landesverbandspräsidenten auch dieses Thema behandelt werden. Zwar werden in den Statuten verankerte Grundsätze wie „Zurückhaltung, sich der Vorbildfunktion bewusst sein, den Sport politisch nicht instrumentalisieren“ schon jetzt vorauseilend benannt, nachdem aber Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes, kryptisch gemeint hat, es sei ihm wichtig, „dass wir dieses Thema irgendwie abgeräumt bekommen - mit welchen Konsequenzen auch immer“, bleibt da noch eine gute Portion gedanklicher Spielraum. Na ja, Herr Winkler wird das Ergebnis sicher zeitnah posten, dann wissen wir mehr.

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