In weiten Teilen großartig, aber auch durchaus diskussionswürdig war am Samstagabend das Gastspiel des „Bergen Philharmonic Orchestra“ bei den Bregenzer Meisterkonzerten.
Es war ein wahres Best-off der Klassik, das die Bregenzer Meisterkonzerte zu ihrem Saisonabschluss am Samstagabend boten. Eröffnet wurde das Programm durch die Tondichtung „Der Zauberlehrling“ nach Goethe von Paul Dukas, wo gleich die Vorzüge des Bergen Philharmonic Orchestra aus Norwegen, dirigiert von ihrem Chef Edward Gardner, erlebbar wurden. Dazu gehört eine erstaunlich dynamische Bandbreite – diese reichte am Samstag vom hingetupften Beginn des „Zauberlehrlings“ bis zu den machtvollen Steigerungen bei Dvoraks Neunter Sinfonie, von einer sehr präsenten Pauke unterstützt. Präzision und Flexibilität seien ebenfalls als Vorzüge genannt.
Die Interpretation warf einige Fragen auf
Letztere war von den Musikern gefordert, denn Dirigent Edward Gardner legte bei Dvoraks berühmter und vielgehörter Sinfonie „Aus der Neuen Welt“ eine Rubatofreudigkeit an den Tag, die es in sich hatte. Kaum eines der berühmten Themen, das nicht besonders langsam angegangen wurde, kaum eines, das seinen Puls von Anfang bis Ende behielt. Das mag Geschmackssache sein und wird auch unter Fachleuten viel diskutiert. Aber bei einem so stark auf volksliedartigen Melodien beruhenden Werk (Dvorak wurde inspiriert von Volksliedern, hat diese aber nicht eins zu eins übernommen), wäre eine schlichtere Interpretation weit eher angebracht gewesen.
Ein Muster an uneitler Hingabe und Feinsinn
Pure Glücksgefühle hingegen entfaltete vor der Pause das Violinkonzert in e-Moll von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Solistin war Veronika Eberle, die, beheimatet in Donauwörth, seit mehreren Jahren eine glänzende internationale Laufbahn verfolgt und auch schon in Schwarzenberg und bei Dornbirn Klassik zu hören war. Bei Mendelssohns wundervollem Konzert gab sie ein Musterbeispiel an uneitler Hingabe und feinsinniger Musikalität, formte die Themen auf ihrer Stradivari mit gesanglichem Atem, aber auch mit Temperament. Für den begeisterten Applaus dankte sie mit einer Zugabe.
Andere Länder, andere Sitten
Auch das Orchester spielte zum gänzlichen Schluss des Konzertes eine solche. Es war die „Valse triste“ von Jean Sibelius – skandinavische Musik somit. Ungewohnt waren auch einige Gebräuche der Norweger. Nach der Pause war das Orchester teils umbesetzt und hatte eine neue Konzertmeisterin. Und offensichtlich individuell gekleidet zeigten sich die Herren: Denn während viele Musiker im Frack auftraten, trug der Dirigent einen schlichten schwarzen Anzug.
Mit diesem Gastspiel ging eine in mehrfacher Hinsicht besondere Saison 23/24 der Bregenzer Meisterkonzerte zu Ende.
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