21.10.2011 17:47 |

Gewalt ufert aus

Krisenregionen-Helfer immer öfter Ziel von Angriffen

Egal, ob Hunger, Erdbeben oder Cholera: In 100 Ländern ist die Hilfsorganisation "World Vision" derzeit im Einsatz. Und die mutigen Mitarbeiter riskieren dabei oft ihr Leben. In den letzten zehn Jahren haben sich tödliche Angriffe auf Helfer in Krisenregionen verdreifacht, warnte die Organisation am Freitag beim ersten humanitären Kongress in der Hauptuniversität Wien. Dort wurde auch über die humanitäre Hilfe der Zukunft und die Rolle Österreichs diskutiert.

Bei der humanitären Hilfe haben sich die Vorzeichen radikal verändert. "Wir mussten die Sicherheitsvorkehrungen deshalb radikal verstärken. Karitative Organisationen aus dem Westen werden nämlich immer öfter als Feinde angesehen", gab Ton von Zutphen, "World Vision"-Direktor für Katastrophenhilfe, zu bedenken.

Santner: "Humanitäre Hilfe ist kein Almosen"
Kritisiert wurde am Freitag erneut die humanitäre Hilfe Österreichs. Diese habe immer noch das Stigma der wohltätigen Spende. Max Santner, Leiter der internationalen Hilfe des Österreichischen Roten Kreuzes, forderte deshalb ein umfassendes Umdenken. "Humanitäre Hilfe ist kein Almosen, sondern ein Menschenrecht. In den nordischen Staaten wird das auch gesehen", sagte er.

In Österreich herrsche eine sonderbare Situation. Während die Bevölkerung eine extrem hohe Spendenbereitschaft habe und große Summen aufbringe, liegt die Alpenrepublik bei ihren staatlichen Ausgaben im Europavergleich weit hinten. Der Auslandskatastrophen-Fonds liegt bei bescheidenen fünf Millionen Euro und ist noch dazu eine "Ermessensausgabe" - und daher nicht einmal bindend. Für Santner ein Unding: Nicht nur, dass der Betrag auf 20 Millionen aufgestockt gehört, er sollte auch gesetzlich vorgeschrieben sein.

Baustelle Kompetenzenaufteilung
Die - fehlenden - finanziellen Mittel sind aber nicht die einzige Baustelle in Österreich. Hinzu kommt, dass es für die Auslandshilfe keine zentral zuständige Stelle gibt, sondern dass die Kompetenzen auf mehrere Ministerien aufgeteilt sind. "Das ist nicht argumentierbar, besonders bei den geringen Beträgen", sagte Santner. Alleine um Ressourcen zu sparen, sollte die Auslandshilfe in einem Ministerium gebündelt werden. "Das Außenministerium würde sich natürlich anbieten, aber auch das Bundeskanzleramt wäre denkbar", so der Leiter der internationalen Hilfe des ÖRK.

International spielt Österreich bei der humanitären Hilfe auch kaum eine Rolle. Die Austrian Development Agency stellte jüngst in einer Studie fest, dass Österreich "mit seiner geringen Mittelausstattung (siehe Infobox) nicht zu den Key-Playern auf der internationalen Bühne gehört". Für Santner ein nicht tragbarer Zustand.

Stärkere Professionalisierung erforderlich
Das Rote Kreuz plädiert - wie andere Hilfsorganisationen auch - auf einen grundsätzlichen "Mind-Set"-Wechsel. Humanitäre Hilfe sollte so verstanden werden, dass sie auf Rechten basiert, konkret auf Menschenrechten. Diese Ausrichtung bedingt allerdings eine viel stärkere Professionalisierung aller Beteiligten - staatlicher Behörden genauso wie zivilgesellschaftlicher Organisationen.

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