Die vergangenen Jahre waren geprägt von Krisen: Corona, steigende Preise, eine schwächelnde Wirtschaft. Jeder siebte Österreicher hat finanziell zu kämpfen und ist armuts- und ausgrenzungsgefährdet. Manche Bevölkerungsgruppen trifft es besonders hart.
Vor allem Alleinerziehende und Familien mit drei und mehr Kindern rutschen besonders oft in die Armut ab – bei fast einem Drittel liegt das Haushaltseinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Das zeigen Zahlen des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF).
Besonders deutlich wird der Unterschied, wenn man den direkten Vergleich zieht: Alleinerziehende und Familien mit mindestens drei Kindern laufen mehr als doppelt so oft Gefahr, in die Armut abzurutschen wie Paare mit maximal zwei Kindern. Aber auch viele Personen, die alleine leben, kämpfen mit einer leeren Geldtasche. Mehr als ein Viertel der Alleinlebenden hat ein Einkommen, das unter der Armutsgefährdungsgrenze liegt.
Zahl der Gefährdeten gestiegen
Der Anteil der Armutsgefährdeten hat sich in den vergangenen Jahren fast nicht verändert. Betrachtet man absolute Zahlen, gibt es trotzdem ein Plus wegen des Bevölkerungswachstums. Zwischen 2018 und 2024 kamen rund 50.000 Armutsgefährdete dazu – insgesamt sind es nun rund 1,3 Millionen.
Eine leichte Veränderung gibt es allerdings bei Familien mit vielen Kindern: 2018 war der Anteil der Armutsgefährdeten noch um fast vier Prozentpunkte geringer. Alleinerziehende sind hingegen weniger armutsgefährdet als noch vor einigen Jahren.
Für Martin Schenk von der Armutskonferenz ermöglicht die Armutsgefährdungsquote keinen Gesamtblick, wie viele Menschen von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen sind. Denn die Quote orientiert sich an den mittleren Einkommen und berücksichtigt die Ausgaben der Österreicher nicht. Ein besserer Indikator ist für Schenk die „erhebliche materielle und soziale Benachteiligung“, wo neben dem Haushaltseinkommen auch die tatsächliche Lebenssituation im Alltag berücksichtigt wird. Und hier habe es seit der Teuerung sehr wohl einen signifikanten Anstieg gegeben.
Mehr Menschen benachteiligt
2024 waren in Österreich 3,7 Prozent aller Personen in Haushalten von materieller und sozialer Benachteiligung betroffen, wie Eurostat-Daten zeigen. Sie können es sich etwa nicht leisten, einmal im Jahr auf Urlaub zu fahren, Miete oder Kredite pünktlich zu bezahlen, die Wohnung angemessen zu heizen oder abgenutzte Kleidung oder Möbel zu ersetzen. 2018 fielen laut Statistik Austria noch 2,8 Prozent in diese Gruppe.
Personen in Haushalten mit Kindern sind auch nach dieser Definition stärker gefährdet. Im EU-Schnitt sind insgesamt 6,4 Prozent erheblich materiell und sozial benachteiligt, besonders hoch ist der Anteil etwa in Rumänien (17,2), Bulgarien (16,6) oder Griechenland (14,0). Am wenigsten sind es in Slowenien (1,8 Prozent), Kroatien (2,0) und Polen (2,3).
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.