Do, 20. Juni 2019
20.10.2011 20:00

Despot getötet

Libyen: Video zeigt Muammar al-Gadafis Leichnam

Muammar al-Gadafi ist tot. Der libysche Ex-Machthaber ist nach Angaben des Nationalen Übergangsrates und der ihm angegliederten Übergangsregierung am Donnerstag in seiner Geburtsstadt Sirte erschossen worden. Der 69-Jährige soll in einem Auto-Konvoi auf der Flucht gewesen sein, der von der NATO bombardiert wurde. Dabei sei Gadafi schwer verletzt worden, was seine Festnahme durch die Rebellen ermöglicht habe. Kurz darauf sei er durch Schüsse in Kopf und Bauch ums Leben gekommen. Der TV-Sender Al-Jazeera zeigte Aufnahmen des toten Diktators (siehe Video oben).

Das Bild rechts oben stammt aus diesem Video von Al-Jazeera und zeigt den toten Gadafi, das Bild rechts unten, das zuvor mit einer Handykamera aufgenommen worden war, den verletzten Gadafi kurz nach seiner Festnahme.

Der Vize-Vorsitzende des Übergangsrates, Abdulhafiz Ghoga, erklärte am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz in Bengasi: "Wir können der Welt bekannt geben, dass Muammar al-Gadafi von Rebellenhand getötet wurde. Die Tyrannei von Gadafi ist damit zu Ende, das Kapitel ist abgeschlossen." Auch Ministerpräsident Mahmoud Jibril bestätigte den Tod Gadafis.

NATO bombardierte Auto-Konvoi
Nach Angaben von Al-Jazeera hätten sich Gadafi-Loyalisten in den letzten Tagen in einem kleinen Bezirk von Sirte verschanzt. Als Rebellen am Donnerstag in diesen Bereich der Stadt vordrangen, hätte ein Auto-Konvoi - anscheinend mit Gadafi an Bord - in die Stadt Misrata zu flüchten versucht. Auf dem Weg dorthin seien die Regimetreuen von der NATO bombardiert worden, dabei sei der libysche Diktator an beiden Beinen schwer verletzt worden. Kurz darauf sei er durch Schüsse umgekommen und seine Leiche nach Misrata gebracht worden.

Auch ein Arzt im Krankenhaus von Misrata bestätigte, dass der Langzeit-Machthaber durch Schussverletzungen ums Leben kam. Gadafi sei am Kopf und am Bauch von Schüssen getroffen worden, sagte der Mediziner zu Al-Jazeera.

Die NATO bestätigte, am Donnerstagmorgen einen Auto-Konvoi in Sirte bombardiert zu haben. Wie ein Sprecher der Allianz mitteilte, nahmen NATO-Flugzeuge um 8.30 Uhr Ortszeit "zwei Militärfahrzeuge der Pro-Gadafi-Truppen" ins Visier, die als Teil eines größeren Konvois nahe Sirte unterwegs waren. Laut NATO werden Angaben der neuen Führung in Libyen geprüft, wonach sich Gadafi in dem Konvoi befand und gefasst wurde, nachdem die Fahrzeuge durch den NATO-Angriff gestoppt wurden. Dies habe die Gefangennahme des zunächst noch lebenden, aber schwer verletzten Gadafi möglich gemacht, hieß es.

Es kursieren aber auch andere Berichte über Gadafis Todesumstände. So könnte er während der Flucht aus einem Haus, in einem Erdloch oder versteckt hinter großen Betonröhren getötet worden sein. Was schlussendlich tatsächlich zu seinem Ableben führte, ist damit vorerst unklar.

Sirte unter Kontrolle der Rebellen
Die Rebellen hatten am Donnerstagmorgen die letzten Stellungen, die von Gadafi-Anhängern gehalten wurden, eingenommen. Oberst Yunus al-Abdali erklärte: "Sirte ist befreit. Es gibt hier keine Gadafi-Truppen mehr." Man jage nun flüchtige Kämpfer. Auch ein anderer Kommandant bestätigte, dass sich Sirte in der Hand der Truppen der Übergangsregierung befinde.

Nach Angaben von Al-Jazeera wurden bei der endgültigen Eroberung von Gadafis Heimatstadt an der libyschen Küste neben dem Diktator auch dessen Sohn Mutassim, Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi und Militärchef Abu Bakr Yunus Jabr getötet. Auch Saif al-Islam, ein weiterer Sohn des Ex-Machthabers, soll nicht mehr am Leben sein (siehe auch Infobox).

Allerorten Jubel auf den Straßen
In den libyschen Städten jubelten am Donnerstag die Menschen und verteilten Süßigkeiten. Für sie schmeckt der Sieg über den Tyrannen erst jetzt wirklich süß, denn Gadafi kreiste wochenlang wie ein Gespenst über Libyen. Die Hauptstadt hatten die Truppen des Übergangsrates zwar befreit - doch mit seinen Audio-Botschaften, die er von einem syrischen Fernsehsender verbreiten ließ, meldete sich der abgetauchte Diktator immer wieder zu Wort, um Angst und Unfrieden zu verbreiten.

Und einige Libyer, für die Gadafi in den mehr als vier Jahrzehnten seiner Herrschaft so etwas wie eine Naturgewalt geworden war, hielten es immer noch für möglich, dass er eines Tages an die Macht zurückkehrt. Dass er jetzt in seiner Heimatstadt Sirte gefunden wurde, erstaunt die Übergangsregierung. Sie hatte zuletzt angenommen, er habe sich in Südlibyen in der Wüste versteckt, nahe der Grenze zu Algerien. Allerdings erklärt sich jetzt, warum in Sirte Gadafi-Getreue über Wochen hinweg erbitterten Widerstand gegen die Truppen des Übergangsrates geleistet haben.

Übergangsrat vor gewaltigen Aufgaben
Jetzt, wo Gadafi tot ist, kommen große Aufgaben auf den Übergangsrat und seinen Vorsitzenden Mustafa Abdul Jalil zu. Denn bisher hatten der Rat und die Übergangsregierung von Ministerpräsident Jibril immer erklärt, der politische Prozess müsse so lange warten, bis die letzten Gebiete östlich von Tripolis "befreit" wären. Nun müssen sie die Waffen einsammeln, die bei den ehemaligen Rebellen verblieben sind, Wahlen organisieren und entscheiden, wer von der alten Führung vor Gericht gestellt wird - und wem möglicherweise verziehen wird.

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