Es ist das vielleicht wichtigste Gebäude des Bundeslandes. Aber nur wenige kennen den Sitz von Landtag und Landesregierung.
Wichtige Entscheidungen werden in ihm gefällt, Gesetze beschlossen und über Zukunft und Schicksal Salzburgs abgestimmt. Ab 1300 wurden die Gebäude in der Salzburger Altstadt zur erzbischöflichen Residenz ausgebaut. Seit 1868 tagt im bis heute genutzten Sitzungssaal der Salzburger Landtag. Der Chiemseehof, das Parlament der Salzburger – er ist vielleicht das bedeutendste Gebäude des Landes.
„Da, wo wir gerade stehen, wurde früher Getreide eingelagert“, sagt Brigitta Pallauf (ÖVP) im bekannten Plenarsaal. Die Juristin ist Hausherrin und seit 2013 – mit Pause – Präsidentin des Landtags. In den Räumen darunter standen früher Pferde, die Büros von Landeshauptmann Wilfried Haslauer waren Wohnräume des Erzbischofs. Nach Ende des Bistums Chiemsee residierte ab 1817 Erzbischof Augustin Gruber im heutigen Politbüro.
Im Plenarsaal stehen moderne Möbel, zeitgenössische Kunst hängt an den Wänden. Der Wand-Gobelin mit den 119 Gemeindewappen, für den eigens ein Landesgesetz erlassen wurde, und ein Teppich mit den Salzburger Seen. Im Wappen-Relief an der Wand sind neben Ereignissen und Charakteren auch Momente dabei, die Salzburg prägten.
Politisches Leben machte im Chiemseehof Pause
„Sie gehören zu Salzburg dazu“, sagt Pallauf. Und die kleinen Wappenteile zeigen nicht nur positive Ereignisse, manche sind noch leer für Zukünftiges. An Pallaufs Seite steht einer der obersten Beamten des Landes. Wolfgang Kirchtag ist seit Dezember 2012 Landtagsdirektor. Er startete eine Woche vor Aufkommen des Finanzskandals. Unter anderem wacht er über Protokoll und Einhaltung der Geschäftsordnung im Landtag. In der vergangenen Gesetzgebungsperiode notierte Kirchtag 1200 Anträge der Abgeordneten, davon waren 83 dringlich, 24 Landesrechnungshofberichte sowie 928 Ausschussberichte und -anträge.
Von Mai 2017 bis 2019 mussten die 36 Abgeordneten samt Mitarbeitern aus dem Chiemseehof hinaus. Erstmals seit 1868, abgesehen von der NS-Zeit, fanden in der Chiemseegasse keine Sitzungen des Landtages statt. Der Grund: Das Haus wurde aufwändig saniert. Der Polittross übersiedelte in der Zeit ins alte Rathaus der Stadt nur wenige hundert Meter weiter. Eine Modernisierung aller Räumlichkeiten war dringend an der Tagesordnung. Für Präsidentin Brigitta Pallauf und Direktor Wolfgang Kirchtag ist der Chiemseehof seit Frühjahr 2019 wieder „der schönste Arbeitsplatz Salzburgs.“
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