24.02.2023 18:00

SVS-Obmann im Talk:

„Gibt keinen Medikamentenvorrat für Blackout“

Stand Freitag fehlen hierzulande 608 Medikamente. Laut Experten könne sich der Engpass weiter verschlechtern. Peter Lehner, Obmann der SVS, gibt im Live-Talk mit Moderatorin Conny Winiwarter aber Entwarnung: „Das heißt nicht, dass es keinen Ersatz gibt. Die Lage entspannt sich gerade etwas.“ Handlungsbedarf gibt es trotzdem: Europa ist im Arzneimittelbereich fast zur Gänze von Asien abhängig. Ein Notfalllager für Medikamente gibt es nicht: „Das Gesundheitsministerium definiert aktuell erst die dafür vorgesehenen Medikamente.“

Die Verantwortung für ein Notfalllager liegt bei Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). Gerade befindet man sich noch in der ‚Definitionsphase‘: „Es muss erst definiert werden, welche Medikamente bevorratet werden sollen“, erklärt Lehner. Man möchte sich „seriös vorbereiten“. Insofern es einen Vorrat gibt, soll dieser für 14 Tage reichen.

Nur „minimale Lücken“ bei Versorgung
Tatsächlich fehlen zwar über 600 Medikamente, in der Relation ist das aber wenig: nämlich nur ein Prozent aller Medikamente. „Im Einzelfall ist es immer schlimm und eine emotionale Herausforderung“, hat Lehner viel Verständnis für die Sorgen der Bevölkerung. Alternativen gibt es aber: In den meisten Fällen könne man auf ein „medizinisch gleichwertiges“ Medikament wechseln. Derzeit gäbe es „keine roten Lichter“. Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Lehner: „Die Pharmawirtschaft hat sich in der Planung verkalkuliert.“

„Natürlich will die Pharma höhere Erträge“
Vielfach wurde eine Preiserhöhung als Lösung für den Medikamentenengpass angepriesen. Der SVS-Obmann lehnt diese Option strikt ab: „Ein Medikament wird nicht verfügbarer, weil es teurer ist.“ Lehner will sparsam mit den Beiträgen der Sozialversicherungsträger umgehen. Dass die Pharma höhere Erträge möchte, „ist klar“.

Europa bei Arzneien so abhängig wie von russischem Gas
80 Prozent aller Arzneimittel in Europa kommen aus Asien. Ein großes und langfristiges Ziel muss es also sein, unabhängiger zu werden und die Produktion wieder nach Europa zu holen. „Das ist eine europäische Aufgabe. Wir müssen in unserer Unabhängigkeit investieren“. Dass die länderübergreifende Solidarität in Krisenzeiten nämlich schneller weg ist, als uns lieb ist, hat die Corona-Pandemie gezeigt: „Wir mussten um jede Maske und jede Schutzausrüstung kämpfen“, so Lehner. Doch man müsse realistisch sein „Es wird Jahre dauern, bis wir große Wirkstoffmengen wieder in Europa produzieren können.“

Das ganze Video mit Peter Lehner sehen Sie im Video oben. KroneLIVE sehen Sie montags bis freitags ab 9 Uhr.

Wie beunruhigt sind Sie wegen der Medikamentenengpässe? Hat Österreich die Situation unter Kontrolle? Diskutieren Sie mit! 

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