Nach 25 Jahren als Chef im Ziel steht Fritz Brunner vor der Pension. Der „Krone“ schilderte er in seiner letzten vollen Hahnenkamm-Woche, was er in seiner Funktion als Zielrichter alles erlebt hat.
Die Legende ist bescheiden: „Ich bin ein kleines Rädchen unter 1500 Mitarbeitern.“ Dass er einen wichtigen Posten besetzt, gibt Fritz Brunner aber doch zu. Denn er ist der Zielrichter am Hahnenkamm – zuständig „vom Zielbanner, bis sie abgeschwungen haben“. Das wichtigste Werkzeug des 69-Jährigen: Sein Funkgerät. „Damit begleiten wir den Rennfahrer von Station zu Station. Wenn ich melde, dass er im Ziel ist, ist das die Beruhigung, weil er sicher angekommen ist.“
Abseits der Piste hat Brunner die Banner und Flaggen der Fans im Auge, damit diese weder Videowand noch Zeitanzeige verdecken. In brenzligen Situationen behält der Ziel-Chef die Nerven. Jede Unterbrechung kostet Zeit, daher spart er damit. Wenn zum Beispiel Plastikflaschen auf die Strecke fliegen, ist die Schnelligkeit eines Security-Mitarbeiters gefragt: „Der hat dann ungefähr eine Minute und 15 Sekunden Zeit, um zu laufen und das Zeug zu holen.“
30.000 Leute sind mit einem Moment still. Da steigt dir die Gänsehaut auf.
Fritz Brunner
Bei Unfällen jedoch gibt der Zielrichter sofort Stopp. „Wir hatten schlimme Stürze im Zielsprung“, erinnert er sich. „Ich stehe ganz vorne an der Piste, hinter mir 30.000 Leute. Und diese 30.000 sind mit einem Moment still. Da steigt dir die Gänsehaut auf.“
„Vielleicht kann ich dann mal auf der Tribüne sitzen“
Nach den heurigen Rennen ist für Brunner Schluss. Er schult seinen Nachfolger ein, dann folgt die wohlverdiente Streif-Pension. Erlebt hat die Kitz-Legende genug: „Einmal hatte der Hubschrauber ein zu kurzes Tau angehängt. Ein paar Matten begannen durch den Wind der Rotorblätter zu fliegen“, erinnert sich Brunner lachend, „zum Glück hatte ich gerade sechs Mann neben mir stehen, unter anderem die beiden Bergbahn-Chefs. Sie sind mit mir raufgestürmt und haben sich auf die Matten gelegt.“
Dass er nun in die zweite Reihe zurücktreten wird, ist für den 69-Jährigen in Ordnung. Der Stress wird dann der Vergangenheit angehören. „Und dann habe ich vielleicht die Chance, dass ich auf der Tribüne sitzen und das Rennen anschauen kann“, wünscht sich Fritz Brunner. Verschmitzter Nachsatz: „Wenn ich keinen Platz bekomme, wüsste ich, wie ich da raufkomme.“
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