Nach Jahren der Pause schwingt Wien wieder das Tanzbein. Die großen Bälle berichten von Andrang wie eh und je - auch wenn bei den Veranstaltern noch einige Vorsicht mitschwingt
Wann kann man sich sicher sein, dass die viel beschworene Normalität endgültig nach Wien zurückgekehrt ist? Barbara Payer weiß die Antwort: Wenn wieder getanzt wird. Die Organisatorin des traditionsreichen Jägerballs am 30. Jänner freut sich über „Kartenverkauf wie gewohnt: Wir sind ausverkauft.“ Es gebe nur noch Restkarten auf Anfrage. Die Vorfreude in ihrem Team sei „riesig, auch deswegen, weil wir den 100. Jägerball bereits zwei Mal coronabedingt absagen mussten.“ Auch bei den Besuchern trübt nichts die Vorfreude: „Die Gäste freuen sich sehr auf den Ball. Wir haben hier keine besorgten Anfragen.“
Wenn Covid sogar erfreuliche Folgen hat
Vier Tage nach dem Jägerball steht in der Hofburg der beliebte Kaffeesiederball an. Auch dessen Ballmutter Sabine Jäger „merkt, wie sich die Ballgäste wieder nach einem Ball gesehnt haben. Auch die Nachfrage aus dem Ausland ist sehr hoch.“ Die gelernte Vorsicht aus Corona-Zeiten hat für Besucher des Kaffeesiederballs sogar positive Folgen: Die Veranstalter haben sich entschlossen, diesmal weniger Karten aufzulegen, „damit den Ballgästen mehr Platz gegeben wird.“ - in anderen Worten: endlich Walzertanzen ohne Rempeleien.
Bittere Lehren aus Absagen der letzten Jahre
Nach den letzten Jahren mit ihren kostspieligen Absagen sind die Ballveranstalter vorsichtig geworden. Die meisten haben den Vorverkauf diesmal erst rund ein Monat später begonnen als zu Vor-Corona-Zeiten. Die große Nachfrage hat diesen Nachteil aber wieder ausgeglichen, heißt es etwa auch bei der Innung der Zuckerbäcker, die schon am 21. Jänner in der Hofburg feiert. Durch die Jahre der Pause gebe es inzwischen offenbar ein „sehr großes Bedürfnis, auf einen Ball zu gehen“, meint Innungsvertreter Kurt Schebesta.
Weiterhin gilt zudem die Pflicht zu Sicherheitskonzepten für Veranstaltungen, etwa durch mehr Platz bei Zugängen als es früher auf Bällen oft üblich war. Es geht aber noch sicherer: Am 16. Februar findet der (ausverkaufte) Opernball statt, der wie zuletzt 2020 wieder im TV übertragen wird und so daheim definitiv sicheres Vergnügen bietet - ganz ohne Zwang zu Frack und großer Robe obendrein.
Bälle als Turbo für Wiens Wirtschaft
Die Wiener Ballsaison feiert heuer ein fulminantes Comeback und das freut neben Veranstaltern und Gästen auch Handel und Gewerbe. „Besonders profitieren von der Ballsaison daher auch jene Betriebe in Wien, die sich auf Eventmanagement spezialisiert haben“, sagt Maria Smodics-Neumann, Spartenobfrau Handwerk und Gewerbe der WKW. So etwa Veranstaltungstechniker, Beleuchter und Beschaller.
Natürlich bedeutet die Ballsaison auch für die Juweliere, Goldschmiede und Uhrmacher eine Umsatzsteigerung. Es gäbe zwar kaum Neuanschaffungen, dafür werden viele Taschenuhren serviciert und gewartet. Auch bei Friseuren klingeln die Kassen. Denn der Trend zur Hochsteckfrisur für langes Haar als „Must-have“ zu jedem Ballkleid bleibt ungebrochen. Für das perfekte Make-up sorgen Visagisten.
Fehlt nur noch die passende Ballrobe für Frauen und ein Frack für die männlichen Besucher. Hier kommen Verleiher und Verkäufer wie „Lambert Hofer“ ins Spiel. „Ausländische Gäste haben ihren Frack oder Smoking bereits vorbestellt, aber wir sind natürlich auch für Last-Minute-Gäste gerüstet“, so Inhaberin Cornelia Hofer, die sich auf eine beschwingte Ballsaison freut.
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