24.11.2022 15:27

SPÖ-Frauenvorsitzende:

„Sollten Personaldebatten nicht am Balkon führen“

Wir sind in Österreich nach wie vor das Land der Femizide: Hierzulande werden mehr Frauen umgebracht als in jedem anderen Land. Während der Fußball-WM brauche es vor allem auch klare Gewaltschutzkonzepte, die den Frauen zur Verfügung stehen, fordert SPÖ-Frauenvorsitzende Eva-Maria Holzleitner im Gespräch mit Jana Pasching. Die gesetzliche EU-Quote für Vorstands- und Aufsichtsratsposten für Frauen begrüßt Holzleitner. Wir wissen, Frauen sind hoch qualifiziert, sie sind an Österreichs Hochschulen stärker vertreten als Männer. „Quotenfrau ist in diesem Fall kein Schimpfwort.“ Bei der Führungsdebatte, die nach Umfragen im Burgenland in der SPÖ aufgepoppt ist, stehe man voll und ganz hinter SPÖ-Parteichefin Pamela Rendi-Wagner. „Wir wären gut beraten, Personaldiskussionen intern zu führen und nicht am Balkon.“

Die SPÖ-Frauen würden Pamela Rendi-Wagner nicht von der Seite weichen. Nichtsdestoweniger könne man das Burgenland aber auch loben, für die Politik, die im Burgenland gemacht wird. Holzleitner lobte den Frauenstrategieplan, den die Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf aufgelegt hat. „Da kann man dem Burgenland nur gratulieren zu ihrer Politik auf Landesebene."

Die SPÖ Burgenland hat am Wochenende eine Umfrage lanciert, die einer SPÖ unter Hans-Peter Doskozil bei einer Wahl bessere Chancen zuschreibt als Pamela Rendi-Wagner. Ob diese Sticheleien aus dem Burgenland schon unter Sexismus fallen oder auch einem Mann passieren würden? „Ich glaube, dass wir da als Partei ein gewisses Problem haben und auch nicht schlauer werden.“ Das sei natürlich ärgerlich, auch für die Funktionäre auf allen Ebenen, die sozialdemokratische Politik machen und in den Vordergrund stellen. „Das Sprechen über Themen und das Sprechen über die guten Dinge, die in den Ländern und Gemeinde passieren, ist zentral.“ Diese Dinge müsse man laut Holzleitner in den Vordergrund stellen. Aber „Wir wären gut beraten, Personaldiskussionen intern zu führen und nicht am Balkon, wie man so schön sagt.“

„Für die nächsten Generationen ist ganz klar, dass wir Frauen im Erwerbsbetrieb stärken müssen“, so Holzleitner. Frauen seien in der Teilzeitfalle gefangen und das oftmals auch nicht auf eigenem Wunsch, sondern weil die Rahmenbedingungen nicht passen würden. Außerdem: „Es gibt zu wenig Kinderbildungsangebote.“ Hier müsse sich dringend etwas ändern.

„Wünschen uns lautere Familienministerin“
Das Unterstützen von Frauen in der Erwerbstätigkeit werde viel zu wenig bis gar nicht im Budget berücksichtigt. „Hier wünschen wir uns eine lautere Frauenministerin.“ Frauen seien ein essenzieller Teil der Wirtschaft und bringen aufgrund ihrer Ausbildung oftmals ein großes Know-how mit. „Aber auf dieses Know-how kann nicht zurückgegriffen werden, weil die Rahmenbedingungen eben nicht stimmen. Hier hätte die Frauen und Familienministerien einfach mehr und besser verhandeln müssen“, kritisiert Holzleitner.

Aufsichtsräte: Mehr Thomas‘, als Frauen insgesamt
Die Regelung, die das Europaparlament unterzeichnet hat, um die Frauenquote in börsennotierten Unternehmen zu erhöhen, sei ein großer Meilenstein für eine gerechtere Verteilung von Posten - auch in Österreich. Es gäbe mehr Aufsichtsrat-Männer, die Thomas heißen als Frauen insgesamt in solchen Positionen, erklärt Holzleitner. Besser wäre es hier, durchmischte Teams zu haben, in denen beide Geschlechter vertreten sind, „weil solche Teams auch produktiver und ausgeglichener sind“.

Das ganze Interview mit der SPÖ-Frauenvorsitzenden Eva-Maria Holzleitner sehen Sie im Video oben.

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