Nach Lesung in Moskau

Dichter in Russland von Polizisten vergewaltigt

Ausland
29.09.2022 11:37

Der russische Dichter und Aktivist Artyom Kamardin (31) wurde am Montag in Moskau festgenommen, nachdem er Gedichte rezitiert hatte, in denen er die Invasion von Präsident Wladimir Putin in der Ukraine verurteilte. Laut seinem Anwalt Leonid Solovyov wurde Kamardin bei einer Durchsuchung in seiner Wohnung von den Beamten geschlagen und mit einer Hantel vergewaltigt.

Laut Angaben der Internetzeitung „Meduza“ wurde Kamardin zusammen mit seiner Freundin Alexandra Popova und seinem Mitbewohner Alexander Menyukov bei einer Razzia in seiner Wohnung festgenommen. Polizisten - mit Maschinengewehren bewaffnet - hätten den 31-Jährigen „schwer verprügelt und ihm eine Hantel in die Analöffnung gesteckt“. Diese Informationen bestätigte auch Kamardins Anwalt Solovyov.

Haare ausgerissen, getreten und „begrapscht“
Laut Bericht der „Washington Post“ soll seine Freundin Popova der Zeitung und der Nachrichtenseite OVD-Info erzählt haben, dass auch sie Gewalt ausgesetzt war. Polizisten sollen ihr die Haare ausgerissen, sie getreten und „begrapscht“ haben. Sie hätten auch ihr Gesicht mit Sekundenkleber und Aufklebern bedeckt. Popova erzählt auch, dass die Beamten ihr auch mit einer Gruppenvergewaltigung gedroht hätten. Auch diesen Bericht bestätigt Kamardins Anwalt.

Kamardins Mitbewohner Menyukov erzählte der Internetzeitung „Meduza“, dass auch er von den Beamten geschlagen wurde. „Sie schlugen mir meistens auf den Rücken“, so Menyukov. Auch er erlitt Verletzungen: „Mein Ohr ist ein bisschen gebrochen, und ich habe Blutergüsse an meinen Handgelenken und Blutergüsse auf meinem Rücken.“

Gedicht mit Schimpfwörtern gespickt
Die Durchsuchung erfolgte einen Tag nachdem Kamardin sein Gedicht „Töte mich, Milizionär“ während der jährlichen öffentlichen Dichterlesung am Triumfalnaja-Platz in Moskau vorgetragen hatte. Das mit Schimpfwörtern gespickte Gedicht, das der 31-Jährige 2015 - ein Jahr nach der Annexion der Krim durch Russland - verfasste, ist eine scharfe Kritik an Putins sogenannter spezieller Militäroperation in der Ukraine.

Ein Video, das am Dienstag gegen 2 Uhr morgens von SOTA veröffentlicht wurde, zeigt den Russen in Begleitung von medizinischem Personal und Polizisten aus dem Moskauer Bezirksbüro Tverskoi kommen. Wegen einer durch die Schläge erlittenen Gehirnerschütterung wurde die Rettung gerufen, sagte der Anwalt.

Die Ärzte stellten keine äußeren Blutungen fest. Dienstagfrüh berichtete Solowjow, Kamardin sei ein Krankenhausaufenthalt verweigert worden und er befinde sich derzeit noch in Polizeigewahrsam. Der 31-jährige Aktivist wurde inzwischen wegen Aufstachelung zum Hass angeklagt, worauf eine Strafe von bis zu sechs Jahren Gefängnis steht.

In Polizeigewahrsam sah sich der sichtlich angeschlagene Kamardin gezwungen, sich für sein Verhalten zu entschuldigen, was auf einem Video festgehalten und auf einem kremlfreundlichen Telegramm-Kanal verbreitet wurde: „Ich entschuldige mich, bitte um Vergebung und bereue vor dem multinationalen russischen Volk das, was ich gestern auf dem Triumfalnaja-Platz gesagt habe“, sagt der angeschlagene Dichter in der Aufnahme.

Popova und Menyukov wurden mittlerweile wieder freigelassen. Sie sind nun als Zeugen in einem Strafverfahren aufgeführt.

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