Die Parteien im Fokus

Analyse: Tiroler Wahlkampf auf der Zielgeraden

Tirol
21.09.2022 13:00

Kommenden Sonntag wird in Tirol gewählt, Mittwochabend findet im „Krone“-Studio in Wien die große Elefantenrunde mit allen Spitzenkandidaten statt. Zum Finale hat die „Krone“ noch einmal beim renommierten Politikwissenschafter Prof. Christian Traweger von der Uni Innsbruck nachgefragt. Wie sieht er die Parteien und ihre Spitzenkandidaten wenige Tage vor der Wahl?

Volkspartei: „Der Wahlkampf der ÖVP entspricht ganz dem Typ ihres Spitzenkandidaten Anton Mattle: ruhig und wenig emotionsgeladen. Der ,Neue’, der andere kaum anpatzt, wird in den Mittelpunkt gerückt!“ Reflektiert man die letzten Umfragen (2018 kam die Tiroler VP auf 44 Prozent – und daran wird sie gemessen), dann lag sie vor drei Monaten bei 30 Prozent und ist dann vor einem Monat sogar in Richtung 25 Prozent abgerutscht. Diese Talfahrt ist nun zwar beendet und es ist nun sogar eine Trendumkehr zu erkennen. „Trotz allem wird es bei der VP doch zu starken Verlusten kommen, wobei 30 bis 33 Prozent möglich sind!“

SPÖ: „Die Tiroler Roten mit ihrem Spitzenkandidaten Georg Dornauer sind von ihrem anfänglich etwas angriffigen Kurs bezüglich Stillstand in Tirol nun abgewichen und setzen auf das Verbindliche, sieht man von einigen vorsichtigen verbalen Attacken zum Thema Jungbauernschaft ab. Dornauer, der scheinbar alles kann und richtet, will unbedingt in die Landesregierung – da möchte man es sich nicht mit dem größeren möglichen Koalitionspartner verscherzen. Ein harter, aggressiver Wahlkampf wäre da nicht zielführend.“

FPÖ: „Sie führt einen sehr aggressiven Wahlkampf und lässt kein Anpatzen aus. Markus Abwerzger - praktisch als One-Man-Show – schießt sich auf Mattle ein. Er hat ja auch nichts zu verlieren, da ein Mitregieren der FPÖ in den kommenden fünf Jahren sowohl von ÖVP wie auch von SPÖ ausgeschlossen wurde!“

Grüne: „Die Grünen mit ihrer Spitze Gebi Mair – vom Führungsduo merkt man nämlich praktisch gar nichts – führen ebenfalls einen aggressiven Wahlkampf. Auch deswegen, weil man ahnt, dass man in der kommenden Legislaturperiode wohl eher wieder vom Oppositionsbalkon herunternörgeln und somit jetzt leicht Sonnen-Milliarden versprechen kann. Die Vorwürfe in Richtung Jungbauern wirkten plump und reflektierten ein fast beleidigtes Reagieren seitens der Grünen nach einer zerbrochenen Koalitionsehe.“

Liste Fritz/Neos: „Für die beiden gibt es ein erklärtes Ziel: Mitregieren! Die Liste Fritz mit Andrea Haselwanter-Schneider und Markus Sint an der Spitze setzt auf die Menschen und ihre Probleme in Tirol, rückt den Bürger in den Mittelpunkt und zeigt klar auf, dass man mitregieren möchte - aber ohne ÖVP. Neos-Chef Dominik Oberhofer verkauft sich als Wirtschaftsfachmann, der natürlich auch die pinken Kernthemen Bildung und Wohnen abdecken möchte. Beide Listen fahren einen Kuschelkurs, der sie beim Ringen um einen Platz in der zukünftigen Koalition sicherlich nicht benachteiligen wird. Man wird aber möglicherweise nur einen der beiden Listen zum Regieren brauchen, wenn man die SPÖ als gesetzt sieht.“

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