Kritik wegen Einsätzen

Zu wenig Sanis: Wo bleibt Rettung für die Rettung?

Kärnten
09.09.2022 10:00

Föderalismus lässt teils besorgniserregende Freiheit beim Rettungssystem. Kritiker fordern deshalb endlich ein neues Konzept bei Einsätzen. Der Trend geht zwar in Richtung Berufsrettung, sei aber schwer umsetzbar ...

„Es kommt häufig vor, dass Rettungssanitäter zu kritischen Einsätzen alarmiert werden, während wir Notfallsanitäter Krankentransporte machen müssen, obwohl wir eine um 500 Stunden längere Ausbildung absolviert haben“, mit diesen Zeilen wandte sich ein Kärntner Notfallsanitäter an die „Krone“. Zeilen, die schwer wiegen, denn sie lassen – wie auch in anderen Bundesländern – die Debatte über eine Reform des Rettungswesens entbrennen.

Während in anderen Bundesländern ausschließlich Notfallsanitäter zu medizinischen Notfällen geschickt werden, schicken die Kärntner Rettungsorganisationen auch einfache Rettungssanitäter zu solchen, oftmals kritischen Einsätzen. Das entspricht zwar dem Landesrecht, nicht aber den internationalen Standards.

Gute Ausbildung, aber zu wenig Notfallsanitäter
Experten sind sich einig, dass eine Reform des heimischen Rettungswesens nur ein Vorteil für die Bevölkerung wäre. Denn erst kürzlich wurden auch in Kärnten die Kompetenzen der Notfallsanitäter erweitert. Mit einer eigenen Aufschulung dürfen Notfallsanis nun auch bestimmte Medikamente verabreichen und einen Venenweg legen.

Für Dr. Martin Pirz, den Kärntner Präsidenten des Roten Kreuzes, also der größten Rettungsorganisation, ist eine Reform zurzeit aber nicht möglich: „Woher sollen wir denn die ganzen notwendigen Notfallsanitäter nehmen?“

25 Notfallsanitäter

werden aktuell beim Roten Kreuz in Kärnten ausgebildet. 2021 waren es 15. Doch noch immer sind es zu wenig, um eine dauerhafte Dienstbesatzung möglich zu machen.

Ausbildungszahlen verzeichnen ein Plus
„Wir haben zurzeit zwar einen großen Notfallsanitäterkurs mit 25 Teilnehmern“, stellt Pirz klar. Das heißt, Interesse ist jedenfalls vorhanden. Und die Zahlen geben dem Präsidenten recht. Im vergangenen Jahr bildete das Rote Kreuz Kärnten 15 Notfallsanitäter aus – also ein sattes Plus. „Im Ernstfall wird natürlich versucht, dass das entsprechende Personal zu den jeweiligen Notfällen geschickt wird. Das kann aber nur dann passieren, wenn wir genug Ressourcen haben.“

Ist eine Berufsrettung die Zukunft?
Die aktuelle Debatte über die Fahrzeugbesetzung der Rettungsorganisationen verstärke auch die Idee einer Berufsrettung. Finanziell sei dieses Vorhaben für die Rettungsorganisationen jedoch nicht stemmbar. Noch leben sie von der Ehrenamtlichkeit, aber: „Diese geht zurück“, weiß Allgemeinmediziner Pirz.

Und wenn es immer weniger freiwillige Helfer bei Rettungsorganisationen gibt, dann wäre man wieder beim Thema Berufsrettung und damit wieder bei einer Reform des gesamten Rettungswesens. Und damit ploppt auch schon die nächste Debatte auf: Wohin mit den Zivildienern?

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