Seit einem Jahrhundert ist die Arbeiterkammer in Kärnten tätig. Die Interessensvertretung blickt auf eine bewegte Zeit zurück.
Mutterschutz, gesetzlicher Urlaubsanspruch, Kollektiv-Verträge, etc. - all das ist heute für Arbeitnehmer eine Selbstverständlichkeit. Doch das war nicht immer so. Mühsam verhandelten die Sozialpartner diese Errungenschaften im Laufe der Jahrzehnte aus. Einer dieser Sozialpartner saß immer mit am Verhandlungstisch: Die Arbeiterkammer. In Kärnten gibt es die Interessensvertretung seit mittlerweile hundert Jahren.
Gründung inmitten von wirren Zeiten
Im Österreich des 19. Jahrhunderts waren die Bedingungen für die Arbeitnehmer nicht die Rosigsten - 60 Arbeitsstunden pro Wochen und ein Hungerlohn waren keine Seltenheit. 1848 erhielten die Unternehmer mit der Handelskammer ihre erste Interessensvertretung. Prompt forderten die Arbeitnehmer eine gleichwertige Vertretung - vergeblich. Es hat erst einen Weltkrieg gebraucht, damit es zur Reform der Sozialgesetzgebung kam und damit der Grundstein für eine Interessensvertretung für Arbeitnehmer gelegt wurde.
1919 machten sich schließlich christliche und sozialistische Gewerkschaften für die Errichtung von Arbeiterkammern stark - mit Erfolg. Nur ein Jahr später beschließt das erste demokratisch gewählte Parlament in Österreich, dass die Handelskammern ein Gegengewicht - die Arbeiterkammer - erhalten sollen. Das erste Konzept der Sozialpartnerschaft wurde geboren und die Arbeiterkammer konnte die ersten sozialrechtlichen Erfolge vermelden. Doch schon sehr bald zogen abermals stürmische Zeiten in Österreich auf. Das Nazi-Regime und der Zweite Weltkrieg machten die Erfolge zunichte und die Arbeiterkammer wurde verboten.
Sternstunden der Interessensvertretung
Nachdem in Europa die Waffen niedergelegt waren, machten sich auch in Österreich die Arbeiter erneut ans Werk. Der Wirtschaftsaufschwung folgte und damit schlug endgültig die Sternstunde der Arbeiterkammer: Kürzung der Arbeitszeit, mehr Urlaubsanspruch, Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall, Väterkarenz. Die Interessensvertretung der Arbeitnehmer ist seit damals immer mit am Verhandlungstisch.Auf all diese Erfolge ist man bei der Arbeiterkammer auch noch heute mächtig stolz, wenn auch immer wieder neue Herausforderungen im gesellschaftlichen Wandel und mit teils heftigem Widerstand auf eine der größten Interessensvertretungen Österreichs zukommen.
Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Arbeiterkammer in Kärnten gibt es in den Räumlichkeiten der AK in Klagenfurt (Bahnhofstraße 44) eine eigene Ausstellung, die sich mit der wechselvollen Geschichte der Interessensvertretung auseinandersetzt. Zeitzeugen berichten dabei über das bewegte Jahrhundert und die vielen Meilensteine des Sozialpartners. Die Ausstellung „Echt Gerecht“ ist kostenlos von Montag bis Freitag (9-16 Uhr) zugänglich.
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