Kampf gegen Adipositas

Wienerin (14): „Mein Ziel: Bauchfreies Top tragen“

Die 14-jährige Daphne H. aus Wien hat dank einer speziellen Reha begonnen, tatkräftig gegen ihre Kilos anzukämpfen. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen lernt sie nun, ausgewogen zu kochen und sich an Bewegung zu erfreuen.

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„Ich wusste gar nicht, wie viel Zucker in Orangensaft steckt“, erzählt das Mädchen. Das und noch viel mehr über richtige Ernährung und Bewegung hat sie im „kokon“, einer Reha-Klinik für Kinder und Jugendliche in Bad Erlach, Niederösterreich, gelernt. Neue, wichtige Erfahrungen machen die stark übergewichtigen Teilnehmer während des fünfwöchigen Aufenthalts in Gruppen- und Einzeltherapien.

Die Teenager verbinden ähnliche Erlebnisse: „Wir haben alle das Gleiche durchgestanden - viele von uns sind etwa in ihrer Schule gemobbt worden - und uns daher auf Anhieb verstanden“, so die 14-jährige Gymnasiastin. „Selbstwert und Selbstbewusstsein stärken wir aus diesem Grund in psychologischen Gruppensitzungen“, berichtet Dr. Petra Renner, zuständige Ärztin für den Adipositas-Zweig. In Einzeltherapien werden hingegen individuelle Probleme behandelt.

Beliebt ist auch das gemeinsame Kochen bzw. die Ernährungsschulung: „Dabei lernen die Kinder zum Beispiel, dass sie drei fixe Mahlzeiten bewusst essen und auf das Snacken zwischendurch verzichten sollten - das empfinden sie oft als große Umstellung. Aber natürlich sind hin und wieder Süßigkeiten erlaubt, in Maßen. Dafür wieder mehr Gefühl zu entwickeln, ist ein Ziel unseres Genusstrainings“, erklärt die Expertin. „Die meisten erstaunten Gesichter gibt es bei der Einkaufsschulung im Supermarkt. Erst dort wird vielen genauso wie Daphne bewusst, welche Mengen an Zucker oft in Getränken stecken. Wir raten daher, immer auf die Inhaltsstoffe zu achten.“

Sport macht Spaß - eine neue Erfahrung für viele
Auch sportliche Aktivitäten wie Ballspiele und Schwimmen standen am Stundenplan. Was hat Daphne besonders Spaß bereitet? „Eindeutig Krafttraining. Ich habe mich jetzt sogar in einem Fitnesscenter angemeldet.“ Die Wienerin nimmt sich fest vor, nun zwei- bis dreimal pro Woche mit ihrer Mama, Schwester oder Freundin zu trainieren. „Schwimmen war ebenso cool.“ Diese Sportart möchte sie fortsetzen.

Das Ergebnis der Reha kann sich übrigens sehen lassen: Fast vier Kilos und 17 Zentimeter an Umfang hat das Mädchen verloren - der Grundstein für eine langfristige Gewichtsabnahme ist gelegt. „Seit der Reha kämpft meine Tochter wesentlich motivierter gegen ihr Übergewicht an“, freut sich Angelika H., Daphnes Mama. „Mehr zu essen begann sie, als bei mir vor einigen Jahren eine schwere Brustkrebserkrankung diagnostiziert wurde. Sie ,fraß‘ ihre Ängste hinein. Wirklich viel zugenommen hat sie aber erst in den vergangenen zwei Corona-Jahren, als sie Nacht für Nacht unseren Kühlschrank plünderte.“

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Ich will mich in meinem Körper einfach wohlfühlen und Kleidung anziehen, die ich im Moment nicht tragen würde.

Daphne H.

Nun ist die 14-Jährige seit einigen Wochen wieder zu Hause. „Hier fällt es mir schwerer als in der Reha, mich an Essenspläne zu halten und mich zu bewegen“, gibt sie zu. „Das von Mama vorgekochte Paprikahenderl ist halt nicht so attraktiv wie Berner Würstel, die ebenso im Kühlschrank liegen“, zeigt die Mutter zwar Verständnis, hofft aber dennoch, dass sich das Gewicht ihrer Tochter bald auf Normalniveau einpendelt.

Ansonsten bemüht sich Daphne jedoch meist, auf dem richtigen Weg zu bleiben: Beim gemeinsamen Kochen mit Freunden versucht sie z.B. schon weniger Öl und mehr Gemüse zu verarbeiten, erzählt sie.

Selbst gehäkelte Kleidung spornt sie nun an
Welches Ziel verfolgt die Jugendliche? „Keine bestimmte Kiloanzahl. Ich will mich in meinem Körper einfach wohlfühlen und Kleidung anziehen, die ich im Moment nicht tragen würde.“ Als Ansporn hat sie sich bereits mehrere bauchfreie Tops gehäkelt, die sie noch diesen Sommer ausführen möchte. Wir halten ihr die Daumen, dass ihr Wunsch bald in Erfüllung geht.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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Montag, 04. Juli 2022
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