Javelin, Ka-52 & Co.

Ukraine: So funktionieren die wichtigsten Waffen

Ausland
05.05.2022 13:49

In kaum einem anderen Konflikt standen westliche Waffenlieferungen so im Fokus wie derzeit in der Ukraine. Die USA, Großbritannien und Deutschland liefern von der Panzerabwehrwaffe bis hin zur Panzerhaubitze, doch auch ehemaliges Sowjet-Material findet sich in Unmengen im Kriegsgebiet. Ein Überblick, wie die wichtigsten Systeme in dem Konflikt funktionieren. 

Wir beginnen bei dem kleinsten gemeinsamen Nenner, dem AK-74 Kalaschnikow Sturmgewehr, einem Nachfolger der AK-47. Es ist eines der meistverbreiteten Sturmgewehre der Welt, vor allem im asiatischen und afrikanischen Raum, aber auch in den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten. 

  • AK-47 KALASCHNIKOW

Was es ist:
Ein Gewehr russischer Bauart. Die Standardausrüstung der Infanterie auf beiden Seiten des Ukraine-Konfliktes. In den Händen von Milizen in Afrika oder Südamerika oft in schlechtem Zustand, nicht eingeschossen und fehleranfällig, bei guter Pflege und Handhabung aber zuverlässig.

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Wo es eingesetzt wird:
Im Ukraine-Konflikt auf beiden Seiten, also von ukrainischen wie russischen Truppen. Auch die meisten Kriegsteilnehmer aus anderen Staaten, wie Söldner oder freiwillige Kämpfer, verwenden dieses System, da es dafür genügend Munition und Ersatzteile in der Region gibt. 

Wie es funktiniert:
Das Gewehr hat ein Kaliber von 5,45 x 39 mm und ein 30-Schuss-Magazin. Um eine Patrone in den Lauf zu laden, müssen das gekurvte Magazin angesteckt und ein kleiner Griff an der rechten Seite nach hinten gezogen werden. Mit einem Kipphebel auf der rechten Seite kann zwischen Einzelfeuer, Dauerfeuer und „Gesichert“ gewählt werden. 

Was ein Stück kostet:
Je nach Region, Zustand und Version zwischen 400 und 800 US-Dollar. 

Wer es liefert:
Niemand. „Wir haben genug Kalaschnikows“, sagte der ehemalige ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin zu Kriegsbeginn. Tatsächlich wurden die Gewehre kistenweise in Städten verteilt, vielmehr benötigt die Ukraine hochtechnisierte, schwere Waffen. Wie etwa Javelin-Raketen.

Kategorie: Sturmgewehr
Entwickelt: 1976
Kaliber: 5,45 × 39 mm
Magazin: 30 Patronen
Kadenz: 600 Schuss/min
Visier: Schiebevisier 100 m bis 1000 m
Verschluss: Drehkopfverschluss
Ladeprinzip: Gasdrucklader 

  • JAVELIN-RAKETENWERFER

Was es ist:
Der FGM-148 Javelin-Raketenwerfer ist eine der modernsten Panzerabwehrwaffen der Welt. Das gerade einmal 22 Kilo schwere System kann einen 41-Tonnen-Kampfpanzer zerstören - und ist dabei von einem einzigen Infanteristen bedienbar. Besonders ist das „Fire and forget“-Prinzip der Waffe, mehr dazu weiter unten. 

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Wo er eingesetzt wird:
Derzeit mit großem Erfolg aufseiten der Ukraine gegen russische Panzer und Nachschubfahrzeuge. Eingeschult werden die ukrainischen Soldaten auf dem US-amerikanischen System vor Ort von bereits ausgebildeten Ukrainern oder von freiwilligen Kämpfern aus den USA, die Armeeveteranen sind und Javelins einsetzen können.

Vergleich: Von der Panzerfaust zur Javelin

Wie die Lenkwaffe funktioniert:
Ein einziger Soldat kann mithilfe der wiederverwendbaren Command Launch Unit (CLU) Ziele bei Tag oder bei Nacht (mit Wärmebildkamera) anvisieren. Er kann zwischen zwei Angriffsmodi wählen: direkt oder überhöht. Bei letzterem Modus fliegt die Rakete nicht direkt auf das Ziel zu, sondern überfliegt es und explodiert darüber, um etwa den leicht gepanzerten Turm eines Panzers zu durchschlagen. Die Waffe selbst funktioniert nach dem Fire-and-forget-Prinzip, der Schütze kann also sofort in Deckung gehen, nachdem die Rakete das Rohr verlassen und selbstständig ihr Ziel anvisiert hat. Das macht die Waffe allerdings komplex und teuer.

Was ein Stück kostet: 
Ungefähr eine Viertelmillion Dollar.

Wer die Javelins liefert:
In erster Linie die USA, mehr als 5000 Stück sollen bereits in der Ukraine angekommen sein. Weitere Länder wie Deutschland liefern die ähnliche Panzerfaust 3, Großbritannien spendet den NLAW aus schwedischer Produktion, der etwas einfacher in der Bedienung und billiger in der Herstellung ist.   

Kategorie: Panzerabwehrwaffe
Gesamtgewicht: 22,4 kg
Flügelspannweite der Rakete: 38,0 cm
Gewicht der Rakete: 11,8 kg
Einsatzreichweite: 2000 m
Höchstreichweite: 4000 m
Sprengkopf: 8,4-kg-Tandem-Hohlladung
Durchschlagsleistung: 600+ mm

  • KAMOV KA-52 „ALLIGATOR“

Was es ist:
Ein zweisitziger Kampfhubschrauber der Russen, der für die Panzerabwehr konzipiert war und außergewöhnlicherweise über einen Koaxialrotor verfügt: Statt einer Rotorscheibe und einem Heckrotor fliegt der Helikopter mit zwei gegenläufigen Hauptrotoren, die gemeinsam das Drehmoment ausgleichen. 

Wo er eingesetzt wird:
Derzeit auf der Seite Russlands im Osten der Ukraine gegen harte und weiche Ziele, aber auch zur Aufklärung. Ganz reibungslos verlief der Einsatz bisher nicht: Durch ihre geringe Flughöhe sind die Hubschrauber anfällig gegenüber Boden-Luft-Raketen. Mindestens ein Dutzend soll bereits abgeschossen worden sein. 

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Wie der Ka-52 funktioniert: 
Die Idee des Angriffshubschraubers stammt aus der Zeit der großen Panzerschlachten. Schnelle, tief fliegende Hubschrauber sollten hinter Hügeln auftauchen und anrückende Panzer mit „Vikhr“-Lenkwaffen bekämpfen. In der Ukraine wurde der Hubschrauber bislang anders eingesetzt: Videos zeigen, wie eine Vielzahl an ungelenkten Raketen vom Hubschrauber aus ballistisch in hohem Bogen in Richtung des Gegners geschossen werden - eine sehr ungenaue Taktik, die westliche Militärs rätseln lässt (siehe Video oben).

Was ein Stück kostet:
Das kommt ganz auf den Rubel-Wechselkurs an, aber ungefähr zwischen 15 und 30 Millionen US-Dollar. 

Wer ihn liefert:
Momentan verwenden nur Russland und Ägypten den Hubschrauber, der im äußersten Südosten des Landes produziert wird. 

Kategorie: Kampfhubschrauber
Startgewicht: max. 11.900 kg
Höchstgeschwindigkeit: 310 km/h
Reichweite: max. 1200 km
Mögliche Bewaffnung: 
30-mm-Maschinenkanone mit 460 Schuss Munition
Luft-Luft-Raketen zur Selbstverteidigung
Luft-Boden-Raketen gelenkt
Luft-Boden-Raketen ungelenkt
Freifallende Bomben
Minen

  • PANZERHAUBITZE 2000

Was es ist: 
Zuallererst einmal eine 50 Tonnen schwere Kanone, die 155-mm-Geschosse unterschiedlicher Art rund 30 km weit verschießen kann. Mit Spezialmunition sind sogar zwischen 50 und 100 km Reichweite möglich. Das Besondere: Die Haubitze ist für ihre Wuchtigkeit und Panzerung immer noch sehr mobil, kann innerhalb kürzester Zeit die Stellung wechseln und so Feindfeuer entgehen. In Afghanistan war das kein Faktor, in der Ukraine ist es einer.

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Wo sie eingesetzt wird: 
Die Artillerie ist der „Gott des Krieges“, in „Krone“-Interviews berichteten Kämpfer in der Ukraine immer wieder, dass „das Meiste über die Artillerie läuft“. Dabei ist weniger die Wahl der Kanone entscheidend, sondern die Wahl der Geschosse. SMArt155-Munition etwa in der Luft stößt Submunition aus, die per Sensor Ziele finden und zerstören. Excalibur-Geschosse etwa landen auf 50 km innerhalb von einem Zehn-Meter-Streukreis.

Wie die PzH 2000 funktioniert:
Wenn mit Gegenfeuer zu rechnen ist, setzt die PzH 2000 aufgrund ihrer Mobilität die „Shoot and scoot“-Taktik ein. Die Feuerstellung wird bezogen und nach den Schussabgaben sofort wieder verlassen, falls die Geschosse vom Feind in der Luft geortet werden und so die Position der PzH 2000 errechnet werden kann. Fünf Personen bedienen in der Regel das Geschütz, mindestens drei braucht man für den Betrieb. Die Kanone kann sechs Schuss abgeben, die gleichzeitig im Ziel einschlagen - durch unterschiedliche Erhöhungen des Rohres entstehen unterschiedliche Flugzeiten.

Was ein Stück kostet:
Je nach Anzahl um die 6,5 Millionen US-Dollar pro Stück

Wer es liefert: 
Die Niederlande und Deutschland wollen PzH 2000 in die Ukraine liefern, doch innenpolitisch gibt es noch Widerstände bzw Prüfverfahren. Auch Griechenland, Italien, Kroatien und mehrere andere Länder haben die Haubitzen im Inventar. Die USA planen indes die Lieferung der M177-Haubitzen, die allerdings nicht selbstfahrend sind.

Kategorie: Panzerhaubitze
Besatzung: 3-5
PS: 1000
Leergewicht: 50 Tonnen
Höchstgeschwindigkeit: 45 km/h im Gelände
Reichweite: 420 km
Bewaffnung: 155-mm-Haubitze, ein Maschinengewehr

  • SWITCHBLADE-DROHNE

Was es ist: 
Eine erst vor zehn Jahren fertig entwickelte Munition, die in der Luft verweilen kann. Wird manchmal auch als „Killerdrohne“ bezeichnet: Einmal gestartet, kann sie je nach Variante zehn bis 40 Minuten in der Luft bleiben, vom Boden aus gesteuert werden und ferngesteuert ein Ziel zugewiesen bekommen. Auf dieses stürzt sie sich dann und explodiert. 

Wie Switchblade funktioniert: 
Direkt aus der Transportröhre heraus wird die Drohne gestartet, beginnt selber zu fliegen und kann dann mittels Videosignal vom Boden aus gesteuert werden. Switchblade 300 kann gute zehn Minuten in der Luft bleiben und hat einen 2,5-kg-Sprengkopf, die größere Switchblade 600 kann bis zu 40 Minuten in der Luft bleiben und hat eine 14-Kilo-Hohlladung gegen gepanzerte Fahrzeuge. Wird ein Ziel mittels Kamera entdeckt, kann der „Pilot“ am Boden den Befehl zum Angriff geben, die Drohne zerstört sich dabei selbst. 

Was ein Stück kostet:
Die 300er-Variante wird auf rund 6000 US-Dollar pro Stück geschätzt.

Wer es liefert:
Die US Army und das US Marine Corps haben einige Hundert Stück Switchblades im Inventar, der Hersteller heißt AeroVironment. Mehr als 100 Stück sollen sich auch bereits in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte befinden. 

Kategorie: Loitering Ammunition
Gefechtskopf: 2,5 kg bei Switchblade 300, 14 kg bei Switchblade 600
Antrieb: Elektromotor
Geschwindigkeit: 102-157 km/h
Reichweite: 10 km

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