04.05.2022 08:00 |

Kurioser Prozess

Ein Hodenschuss als „Dienstbeschädigung“

Ein Klagenfurter Soldat hielt seine Dienstwaffe für ungeladen und verletzte einen Kameraden damit schwer. Seit zwei Jahren wartet der Betroffene auf eine Entschädigung. Vom Obersten Gerichtshof gibt es nun ein Zwischenurteil.

Artikel teilen
Drucken
Kommentare
0

Für die Justiz ist es eine „Dienstbeschädigung“, für das 22-jährige Opfer aus Oberösterreich vermutlich eine Beeinträchtigung für das ganze Leben: Der junge Mann war als Grundwehrdiener in einer Militärkaserne in der Südsteiermark von einem Klagenfurter angeschossen und in den Oberschenkel getroffen worden.

Grob fahrlässige Körperverletzung
Der Milizsoldat (28) hatte angenommen, seine Glock sei nicht geladen gewesen, als er damit herumhantierte, zielte und abdrückte. Er traf den Kameraden in den Oberschenkel. „Ein Hoden wurde dabei zerschossen“, bestätigt Anwalt Philipp Tschernitz, der den Täter vertritt. Dieser wurde wegen grob fahrlässiger Körperverletzung zu einer Strafenkombination - vier Monate bedingte Haft plus 240 Tagessätze Geldbuße - verurteilt.

Doch wer haftet für die gesundheitlichen Folgen? Wer zahlt? Seit zwei Jahren wartet der Soldat auf eine Entschädigung. Jetzt gibt es ein erstes Zwischenurteil durch den Obersten Gerichtshof: Die Republik kann sich nicht abputzen. Das Heeresversorgungsgesetz gilt für Grundwehrdiener, die im Dienst eine Gesundheitsschädigung erleiden. Diese „Dienstbeschädigung“ müsse abgegolten werden.

Wie viel ein kaputter Hoden wert ist, ist noch unklar - gefordert werden rund 22.000 Euro.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Mittwoch, 25. Mai 2022
Wetter Symbol