29.04.2022 11:00 |

Steirische Innovation

Smartes Pflaster erleichtert Patienten das Leben

Der Mensch reagiert auf eine Vielzahl von Erkrankungen mit erhöhter Körpertemperatur. Ein smartes Pflaster aus der Steiermark liefert anders als punktuelle Messungen per Fieberthermometer kontinuierliche Daten zur Körperwärme - und könnte damit speziell bei der medizinischen Betreuung von besonders vulnerablen Patienten vorteilhaft sein, wie Forschende der Med-Uni Graz nun attestieren.

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Die Messung der Körpertemperatur mittels Kontakt- oder Infrarotthermometern gehört im Gesundheitswesen zur täglichen Routine. Die Durchführung und Dokumentation ist jedoch zeitaufwendig. Das steirische Medizintechnikunternehmen SteadySense hatte daher die Idee zu einem smarten Pflaster, das die Körpertemperatur seiner Träger durchgehend aufzeichnet. Das Pflaster mit integriertem Temperatursensor wird unter dem Arm angebracht und wird per Smartphone über eine App aktiviert. Es kann mehrere Tage verwendet werden.

Durch Temperaturmessungen im Fünfminutentakt entsteht eine durchgängige Kurve, die den Verlauf der Körpertemperatur über den Messzeitraum anzeigt. Die Daten werden gespeichert und können automatisch in die elektronische Patientendokumentation übertragen werden, was weniger Aufwand für das Personal mit sich bringt. Zudem werden Patienten durch die regelmäßigen Messungen nicht in ihrer Ruhe gestört, wie nun eine klinische Prüfung der Med-Uni Graz bescheinigt.

„Großer Benefit“ für vulnerable Patienten
„Vor allem bei besonders vulnerablen Patientinnen und Patienten könnte die kontinuierliche Messung der Temperatur einen großen Benefit bedeuten“, so Johannes Boyer und Robert Krause von der dortigen Klinischen Abteilung für Infektiologie, die die neue Messmethode mit etablierten Temperaturmessmethoden verglichen.

Die Studie wurde auf einer Intensivstation durchgeführt, wo eine kontinuierliche Temperaturmessung mittels Blasenkathetersonde zur Routine gehört. Die Forscher verglichen die Messwerte der in der Harnblase liegenden Sonden mit den Messungen des neuen Systems sowie mit der Achseltemperaturmessung. „Hier zeigte sich eine gleichwertige Präzision des Pflasters und der etablierten axillären Messung. Gleichzeitig konnte der individuelle Temperaturverlauf mit der kontinuierlichen Temperaturaufzeichnung gut nachvollzogen werden“, so die Forscher.

Veraltete Definition von Fieber
Es sei zudem bekannt, dass der normale Bereich der Körpertemperatur individuell sehr unterschiedlich ist, erläuterten die Autoren. Daher werde bei ältere Menschen über 65 Jahre Fieber auch als ein Anstieg von mehr als 1,1 Grad Celsius über der Ausgangstemperatur definiert. Die Studie sei „ein weiterer Indikator dafür, dass die willkürlich festgelegte Definition von Fieber veraltet ist und eher auf Tradition als auf neueren Daten basiert“, erkannten die Autoren.

Laut den Grazer Forschern könne das System auch bei immunsupprimierten Patienten, die aufgrund ihrer Grunderkrankung oft kein Fieber entwickeln, die Beurteilung des individuellen Gesundheitszustandes verbessern. In Langzeitpflegeeinrichtungen oder Krankenhäusern sei das System als Überwachungsinstrument für Patienten, bei denen das Risiko besteht, eine Infektion zu entwickeln, denkbar. Für akute Situationen wie etwa akuter Herzinsuffizienz oder der Notaufnahme sei die Entwicklung jedenfalls nicht geeignet. Preislich ist das System aktuell teurer als etablierte nichtinvasive Methoden, wurde zudem festgehalten.

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