23.03.2022 19:42 |

Im Alter von 84 Jahren

Ex-US-Außenministerin Albright erlag Krebsleiden

Die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright ist am Mittwoch im Alter von 84 Jahren an Krebs gestorben. Das teilte ihre Familie auf Twitter mit. Albright stieg unter dem demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton zur ersten Frau an der Spitze des Außenministeriums in Washington auf. Sie hatte das Amt 1997 bis 2001 inne.

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Laut dem Nachrichtensender CNN wurde das Ableben Albrights auch in einer E-Mail an die Mitarbeiter einer von der Demokratin mitgegründeten Beratungsfirma bestätigt.

Albright galt als eine resolute Diplomatin in einer Regierung, die zögerte, sich in die größten außenpolitischen Krisen der 1990er-Jahre einzumischen - die Völkermorde in Ruanda und Bosnien-Herzegowina. Als im April 2000 das US-Repräsentantenhaus in einer Resolution sein „tiefes Bedauern“ über die Beteiligung der FPÖ an der österreichischen Regierung ausdrückte, wies Albright darauf hin, dass die Regierung „mittels einer demokratischen Wahl“ zustande gekommen sei und „an ihren Taten gemessen“ werden solle.

Aufmerksamkeit erregte auch Albrights Aufarbeitung der Geschichte ihrer Familie - von der die Politikerin jahrzehntelang gar nichts gewusst hatte. Als Kind hatte sie während des Zweiten Weltkriegs vor den Nazis aus ihrer Heimat Tschechoslowakei fliehen müssen. Sie war am 15. Mai 1937 als Marie Jana (genannt Madlenka) Korbelova in Prag als ältestes von drei Kindern einer jüdischen Diplomatenfamilie geboren worden. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen wanderte die Familie zunächst nach England aus, wo Albright in Unwissenheit ihrer jüdischen Herkunft katholisch erzogen wurde.

Albright „hatte keine Ahnung“ über jüdische Wurzeln
Ihr Vater Joseph Korbel diente nach dem Zweiten Weltkrieg der Tschechoslowakei als Diplomat. Nach der Machtübernahme der Kommunisten in Prag beantragte die Familie 1948 Asyl in den USA und wanderte aus. Von ihrer jüdischen Abstammung und dem Tod Angehöriger, darunter drei ihrer Großeltern, in Konzentrationslagern der Nazis erfuhr Albright aber erst 1996. „Ich hatte keine Ahnung, dass ich aus einer jüdischen Familie stammte, geschweige denn, dass über 20 Verwandte von mir den Holocaust nicht überlebt hatten“, schrieb sie im Buch „Winter in Prag: Erinnerungen an meine Kindheit im Krieg“.

Die Politologin heiratete 1959 ihren Studienfreund Joseph Albright, den Erben eines Medienunternehmens. Mit ihm hatte sie drei Töchter, nach 23 Ehejahren ließen sich die Albrights scheiden. Erst als ihre Kinder schon größer waren, begann Albright 1975 ihre politische Karriere. Auch nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung 2001 und der Rückkehr als Professorin an die Universität Georgetown zog Albright sich nicht aus der Politik zurück. Sie gründete eine globale Beratungsfirma, die auch Joschka Fischer zu ihren Experten zählte.

Erhielt die höchste zivile Auszeichnung der USA
Zudem meldete sie sich immer wieder mit beißender Kritik an der Außenpolitik zu Wort, etwa zum von Präsident George W. Bush angezettelten Irak-Krieg. Vor der Präsidentenwahl 2008 hatte Albright zunächst auf die Demokratin Hillary Clinton gesetzt, unterstützte dann aber den siegreichen Barack Obama. Dieser verlieh ihr 2012 als Präsident die Freiheitsmedaille, die höchste zivile Auszeichnung der USA.

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