Spiele manipuliert

I: Auch Serie A und Mafia angeblich in Skandal verwickelt

Fußball
03.06.2011 10:57
Der Wettskandal in Italien zieht weitere Kreise und erschüttert jetzt auch die höchste Liga. Die Staatsanwälte der norditalienischen Stadt Cremona ermitteln auch wegen angeblich manipulierter Serie-A-Spiele der abgelaufenen Saison. Ins Visier der Ermittler ist unter anderem das am 20. Februar ausgetragene Match Genua - Rom (4:3) geraten. Dabei wird laut italienischen Medienberichten ein römischer Fußballer der Manipulation verdächtigt. Auch die Mafia soll in den Skandal verwickelt sein.

Der Versuch, das Serie-A-Spiel zwischen Inter Mailand und Lecce am 30. März zu manipulieren, scheiterte hingegen, berichteten die Ermittler. Allein der verhaftete Ex-Nationalspieler Giuseppe Signori soll in diesem Fall 150.000 Euro verloren haben. Der in Bologna unter Hausarrest stehende Signori wies die Vorwürfe der Ermittler zurück. "Ich habe nichts zu verbergen. Ich habe immer gewettet, aber auf legale Weise, es wird sich bald alles klären", versicherte er.

Slowake als Drahtzieher?
Inzwischen wird auch die Mafia mit dem riesigen Wettskandal in Verbindung gebracht. Eine osteuropäische Gruppe mit kolossalen finanziellen Mitteln steckt laut den Staatsanwälten von Cremona hinter der Manipulationsaffäre, die das italienische Fußballsystem zittern lässt. Die Gruppe war laut Staatsanwalt Guido Salvini in der Lage, in wenigen Stunden bis zu fünf Millionen Euro auf ein einziges Match zu setzen und während des Spiels gewaltige Summen zu wetten. Drahtzieher der Gruppe soll ein in der Schweiz lebender Slowake sein, ein guter Freund des ehemaligen Fußballers Mauro Bressan. Dieser wurde zusammen mit Signori am Mittwoch verhaftet.

400.000 Euro zahlte die Bande, um einen Serie A-Spieler zu bestechen, für einen Zweitligisten sank der Preis auf 120.000 Euro und für einen Drittligisten auf 50.000 Euro, stellten die Ermittler fest. Parallel in anderen italienischen Städten laufende Ermittlungen ergaben, dass die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, massiv auf Manipulation von Fußballmatches der Serie D (fünfte Liga) setzt.

Verband sorgt sich vor Chaos
Der italienische Fußballverband bangt unterdessen um die nächste Meisterschaft. In den Skandal sind Fußballer von Serie-B-Vereinen verwickelt, die noch an Play-off-Partien für den Aufstieg in die Topliga teilnehmen müssen. Wegen der mutmaßlichen Verwicklung von Atalanta-Kapitän Cristiano Doni in die Affäre könnte der Serie-A-Aufstieg des lombardischen Vereins aus Bergamo gefährdet sein. Der Fußballverband forderte von den ermittelnden Staatsanwälten die Dokumentation zum Skandal, um Maßnahmen gegen mutmaßlich verwickelte Spieler zu ergreifen.

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