21.03.2022 13:09 |

Die Tennis-Legende

7 Jahre Haft? Prozess gegen Boris Becker startet!

Angespannt, aber nicht panisch - so hatte Boris Becker noch vor Kurzem seinen Gemütszustand angesichts des Strafverfahrens gegen ihn in London beschrieben. Nun ist der Prozess da - von heute an muss sich der ehemalige Tennis-Star bis zu drei Wochen lang vor Gericht am Southwark Crown Court in London dem Vorwurf stellen, er habe in seinem Insolvenzverfahren Teile seines Vermögens nicht ordnungsgemäß angegeben und Trophäen nicht ausgehändigt. Becker bestreitet das ...

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Grund, angespannt zu sein, gibt es durchaus: Dem dreimaligen Wimbledon-Sieger könnten theoretisch bis zu sieben Jahre Haft drohen. Eigentlich könnte das Insolvenzverfahren, das seit 2017 läuft, bereits beendet sein. Doch die Saga scheint kein Ende zu nehmen. Verschiedene Auflagen gegen Becker wurden sogar auf eine Dauer von zwölf Jahren verlängert. Der „Bild am Sonntag“ sagte Becker im Februar in einem Interview, die vergangenen fünf Jahre seien „verdammt lang“ und „die härtesten meines Lebens“ gewesen.

Becker saß zu Prozessbeginn regungslos in einem Glaskasten. Nur eine Gerichtsmitarbeiterin und eine Übersetzerin leisteten ihm Gesellschaft. Auf dem Boden neben ihm lagen einige lose Blätter Papier, ein Kugelschreiber und eine Wasserflasche. Hinter ihm hatte sich gut ein Dutzend Journalisten auf den Zuschauerrängen eingerichtet.

Zu den mehr als 20 Anklagepunkten konnte sich Becker vor Prozessbeginn gegenüber Medien nicht konkret äußern. Es wird aber erwartet, dass er vor Gericht ausführlich vernommen wird. Dann werde „eine ganze Menge persönlicher Dinge“ zur Sprache kommen, hatte sein Anwalt angekündigt. Unter anderem soll Becker laut Anklage Teile seines Vermögens an seine Ex-Partnerinnen Barbara (55) und Lilly (45) überwiesen und damit dem Zugriff des Insolvenzverwalters entzogen haben. Ein anderes Thema dürften die vermissten Pokale sein. Becker hatte in allen Punkten auf unschuldig plädiert.

Einen Teil seiner Pokale und weitere persönliche Gegenstände hatte der Insolvenzverwalter bereits im Sommer 2019 versteigert. Darunter sogar Tennis-Socken aus seiner aktiven Zeit. Becker zeigte sich tief getroffen. „Bei dieser Versteigerung geht es nur darum, mir persönlich wehzutun, weil ich natürlich emotional an den Trophäen hänge“, sagte der Deutsche einmal der „Bild am Sonntag“.

Teilweise war das Insolvenzverfahren von bizarren Wendungen geprägt. Eine Zeit lang behauptete Becker, er könne rechtlich nicht belangt werden, weil er Diplomat der Zentralafrikanischen Republik sei. Tatsächlich wurde er auf der Webseite der Botschaft des Landes in Brüssel als „Attaché für die Beschaffung von Mitteln für sportliche, kulturelle und humanitäre Angelegenheiten“ aufgeführt. Der dortige Botschafter pflichtete ihm bei. Doch mehrere Regierungsmitglieder des bitterarmen Landes widersprachen. Schließlich verzichtete Becker auf die umstrittene Argumentation.

In dem Strafverfahren gibt es bisher keine Anzeichen dafür, dass der auch auf dem Tennis-Platz stets als hartnäckig bekannte Becker aufgeben könnte. „Wenn alles gegen mich läuft, habe ich ein Problem. Aber ich bin ein Mensch, der niemals aufgibt und immer bis zum Ende kämpft“, hatte der frühere Weltranglisten-Erste noch im Februar betont.

Kurz vor Prozess-Beginn hatte sich Beckers Ex-Frau Lilly zu Wort gemeldet. Der „Bild“ sagte sie, es sei schwer, den Vater ihres Sohnes in einer solchen Situation zu sehen. „Ich blicke mit einem unwohlen Gefühl auf den Prozess“, sagte die 45-Jährige. Sie wünsche ihm, dass ein gerechtes Urteil gesprochen werde, so Lilly weiter.

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