10.03.2022 11:00 |

Album und Interview

Palffi: Zuerst das Frequency, dann ganz Amerika

Sebastian Spörker hat sein frühes Faible für das Weltall mit seiner Leidenschaft für Musik verknüpft. Auf seinem Debütalbum „S.a.L.L.Y.“ zeigt sich Palffi, so sein Künstlername, musikalisch bunt und inhaltlich sehr persönlich. Der Griff nach den Sternen soll kein rein metaphorischer bleiben, wie er uns im „Krone“-Gespräch erklärt. Fürwahr steckt in den Songs des jungen Teesdorfers Potenzial für den internationalen Durchbruch.

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Pop und Hip-Hop, Punk und Elektronik, Singer/Songwriter-Bescheidenheit und große Superstargeste. Im Streaming-Zeitalter weichen die Grenzen auf und alles ist erlaubt, was Spaß macht. Für Palffi war diese Tatsache Ansporn und Motivation zugleich, denn sein Debütalbum „S.a.L.L.Y.“ steckt voller Referenzen an persönliche Helden, findet aber trotzdem einen eigenen und authentischen Zugang zum Dargebotenen. In ihren kunterbunten Austrieben klingen die Songs mal nach Pop-Punk á la Sum-41 oder Machine Gun Kelly, mal ein bisschen nach smoothem Kendrick Lamar und dann wieder nach Justin Timberlake oder Lauv. Da kann das 1800-Seelen-Nest Teesdorf stolz sein, dass einer ihrer wenigen Einwohner so rücksichtslos und selbstbewusst im globalen Popmusik-Game wildert. Den breiten Musikgeschmack hat der 24-Jährige schon als Kind mitgekommen. Papa hörte Dire Straits, Phil Collins oder Queen, die Mama Adam Ant und Musicals. Und dann gab es da noch die Babysitterin, die ihn unterbewusst früh mit Eminem und Limp Bizkit infizierte.

In die Weiten des Alls
„Ich finde es cool, nicht nur eine Schiene zu fahren. So ist für jeden was dabei. Ich hatte nie den Vorsatz, 14 Pop-Songs zu schreiben. So, wie es aus mir rauskam, so landete es am Album.“ Auch wenn „S.a.L.L.Y.“ inhaltlich stark von allen möglichen Facetten der Liebe und Zwischenmenschlichkeit durchzogen ist, beziehen sich Titel und Grundkonzept auf Extraterrestrisches. Sebastian Spörker, so Palffis bürgerlicher Name, wollte nämlich zeit seines Lebens Astronaut werden und kam kurz vor dem passenden Studium drauf, dass Physik doch nicht so seins sei. So wurde es Medientechnik, aber die Liebe zum Weltall blieb. „Der Titel bedeutet ausgeschrieben ,seeking a life like yours‘. In der Geschichte geht es um einen Astronauten, der in seinem Raumschiff von der Erde weggeschickt wird. ,S.a.L.L.Y.‘ fliegt mit ihm. Das war früher ein Computer im Büro, dessen größter Wunsch es war, in einem Raumschiff zu sein. Jetzt begleitet ,S.a.L.L.Y.‘ den Astronauten auf dem Weg ins Unbekannte.“ Die Metapher des Begleitens verwendet Palffi dann für seine aus dem persönlichen Leben gegriffenen Themen.

„Ich muss spüren, was ich singe“, erzählt er der „Krone“, „mich darin wiederfinden können. In meinen Songs gebe ich mehr von mir preis, als ich es in Gesprächen im Privatleben tun würde.“ Das Songwriting für sein Debüt startete vor ziemlich genau zwei Jahren, als die Pandemie begann und er einen Vertrag bei seinem jetzigen Label Earcandy unterschrieb. Manche Tracks schrieb er allein, andere mit Branchenkolleginnen wie Lisa Pac, Lukas Klement, Florence Arman oder Robert Wallner. Textlich behielt Palffi aufgrund des persönlichen Zugangs stets die Alleinherrschaft, musikalisch mischten sich die Ideen und Meinungen zu einem Pop-Potpourri, das sich vor dem internationalen Markt nicht fürchten muss. Da passt es gut, dass die Ziele des Künstlers hochgesteckt sind. „Ich will auf jeden Fall einmal Headliner beim Frequency-Festival sein und dann einen Nummer-eins-Hit in Amerika haben.“ Dem ordnet Spörker alles unter, einen Plan B habe er laut eigenem Bekunden nicht. „Ich gehe diesen Weg nur einmal und hole alles raus, was möglich ist.“

Mehr Begleitung als Aufforderung
„I Feel Alive“ ist der Opener und mit seiner lebensbejahenden Botschaft nicht zufällig gewählt. Gerade in schwierigen Zeiten wie diesen wirken Palffis Songs als Hoffnungsgeber und Trostspender. Aus persönlichen Einzelkapiteln werden schwungvolle Hymnen für die Aufbruchsstimmung und ein friedvolles Miteinander. Feel-Good-Indie-Sounds koalieren mit Yachtpop-Einschlag („Make You Feel“), Beat-Stafetten wie in „Floating“ schmiegen sich an einen gewissen Britpop-Touch. Und mit „Faces“ und „Heartbreak Of The Year“ geht Palffi in seine eigenen Pop-Punk-Vergangenheit zurück und lässt die Junggeneration Millennium vor Freude jauchzen. Stimmlich zeigt sich der Sänger variantenreich und mitfühlend. Zwischen hart und zart, laut und leise werden stets die richtigen Töne getroffen. „S.a.L.L.Y.“ ist mehr Begleitung als Aufforderung und gerade deshalb ein besonders wichtiges Ausrufezeichen, in einer nach Nähe und Geborgenheit heischenden Welt des stets angezogenen Tempos.

„Ich glaube schon, dass dieses Album gerade jetzt vielen Menschen guttun kann. Durch die Krise ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden und die Liebe füreinander ist wieder erstarkt. Ich habe in der Pandemie selbst viel gelernt. Zum Beispiel Trauer nicht wegzuschieben, sondern sie anzunehmen. Auch auf die jeweilige Musik, die man gerade hört, muss man sich einlassen.“ Palffis ganz persönliche Seelentröster sind die Arctic Monkeys, die hatten schon in seiner alten Band All Systems Red eine besondere Bedeutung. „Sie haben immer das gemacht, was sie für richtig hielten und sich permanent verändert. Das ist für einen Künstler extrem wichtig und auch vorbildhaft. Nichts klang bei ihnen erzwungen, weil alles natürlich und auf eigener Schiene entstand. Sie haben schon immer Dinge aus der Popkultur verwendet, aber nicht kopiert.“

Keine Scheu vor großen Zielen
Das Rad erfindet natürlich auch Palffi auf „S.a.L.L.Y.“, nicht neu, der Bezug zu seiner Form von zeitgemäßem Pop im großen Kontext ist trotzdem sehr unikal. Den stringent merkbaren, aber nie in den Vordergrund gerückten Vintage-Touch hat man seiner musikalischen Früherziehung zu verdanken. Im Song „Psychothriller“ etwa bedient sich der Niederösterreicher ganz offen aus dem großen Topf Popkultur. „Ich bin aus einer Generation, die nicht in Schubladen denkt. Es ist ganz normal, sich überall auszuprobieren und ich bin froh, so viel verschiedene Musik hören zu können. Ich bin natürlich auch nicht der Erste, der Pop und Hip-Hop vermischt, aber habe hoffentlich meine eigene Nische gefunden.“ Der Vielarbeiter hat übrigens nach Abschluss dieses Albums schon mit der Arbeit am Nachfolger angefangen. Dafür schwebt ihm ein amerikanisches Noir-Konzept vor, das er aber noch nicht genauer vertiefen möchte. „Vielleicht braucht Österreich wieder jemanden, der in Amerika groß ist. Ich sehe kein Problem damit, diese Person zu sein.“

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