Kurioses „Versteck“

Im Museum entdeckt: Schiele-Briefe sind wieder da!

Spektakulärer Fund im Heeresgeschichtlichen Museum. Nach 23 Jahren wurden jetzt die verschollenen, handgeschriebenen Briefe Schieles entdeckt - in einem besonders kuriosen „Versteck“ ...

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„Ein freudiger historischer Augenblick für die Kunstwelt, während es international beängstigend um Krieg oder Frieden geht“, sagt Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) nachdenklich, als ihr der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums die als verschwunden gegoltenen Briefe samt Visitenkarte Egon Schieles präsentiert. Mit Glaceehandschuhen öffnet Militärhistoriker Christian Ortner eine himmelblaue Mappe und legt Brief für Brief behutsam auf den blank polierten Tisch im Ministerium.

23 Jahre lang verschollen
Eine Zeremonie wie eine Andacht. Nicht nur die Ministerin auch der „Krone“-Reporter bekommt in diesem geschichtsträchtigen Moment eine Gänsehaut. Schließlich weiß man um die Bedeutung Schieles und den großen Augenblick: Denn 23 Jahre lang galten seine Briefe als verschollen.

Von einem Kunstkrimi war die Rede, nachdem der Rechnungshofbericht vor zwei Jahren aufgedeckt hatte, dass diese einzigartigen Schriftstücke verschwunden sind und wohl auch für immer unter den 1,2 Millionen Exponaten im Museum unauffindbar bleiben würden.

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Nachdem wir von dem Verschwinden der Briefe erfahren haben, wurde der Auftrag erteilt, sich im Zuge der laufenden Digitalisierung von Schriftstücken vermehrt darum zu bemühen, die Briefe aufzufinden.

Verteidigungsminister Klaudia Tanner (ÖVP)

Versetzungsgesuch in Briefform
Schieles Briefe gelten deshalb als Kulturschätze, weil sie die Korrespondenz des jungen Künstlers mit dem damaligen HGM-Direktor Wilhelm John zeigen. Schiele, der bereits 1916 als Soldat in der Provianturkanzlei eines Kriegsgefangenenlagers bei Wieselburg (Niederösterreich) gedient hatte, bat in diesen Schreiben um seine Versetzung ins k.u.k. Heeresmuseum. Was schließlich auch bewilligt wurde ...

Schlamperei statt Krimi
1998 wurden genau diese Briefe in einer Sonderausstellung präsentiert - und verschwanden danach: einfach weg, unauffindbar, verschollen! Ministerin Tanner und Direktor Ortner setzten allerdings nun auf die Digitalisierung historischer Exponate und baten, dabei verstärkt nach den Schiele-Briefen zu suchen. Und tatsächlich fanden sich die Briefe wieder: Kurioserweise in einem großformatigen Plan aus dem 18. Jahrhundert, der die Herstellung von Kanonen in einer Stahlgießerei im steirischen Gusswerk beschreibt. Kurzum: Es war kein Kunstkrimi, sondern banale Schlamperei.

Christoph Matzl
Christoph Matzl
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