23.10.2020 16:40 |

Steuergeldfresser

Totalversagen und Chaos im Wiener Heeresmuseum

Von militärischer Zielgenauigkeit weit entfernt: Der Rechnungshof (RH) prüfte das Wiener Heeresgeschichtliche Museum (HGM) und seine Außenstellen. Der Bericht in Kürze: Organisation und Führung sind Kraut und Rüben, möglicherweise kriminell, in jedem Fall untauglich. Finanzen: undurchsichtig, ein Steuergeldfresser.

Das HGM im Wiener Arsenal und seine vier Außenstellen sind dem Verteidigungsministerium unterstellt und werden von einem Historiker geführt. Die Prüfer haben die Jahre 2014 bis zum ersten Halbjahr 2019 untersucht. Hier ein Auszug der vielen Missstände, die der RH aufgedeckt hat:

  • Dem Museum fehlt jeder Überblick über seine geschätzt 1,2 Millionen Sammlungsobjekte. Grund: Nur 40 Prozent der Gegenstände sind elektronisch erfasst.
  • Drei wertvolle Briefe von Malerfürst Egon Schiele aus dem Jahr 1918 sind spurlos verschwunden. 
  • „Geheimbunker“: In der Außenstelle Zwölfaxing stießen Prüfer auf Bunker, die mit Panzerersatzteilen unbekannter Herkunft befüllt waren. Der Direktor wusste nichts von ihrer Existenz und erstellte Strafanzeige (unbefugter Besitz von Kriegsmaterial). Laut Ministerium habe sich der Vorwurf inzwischen entkräftet.
  • Drei Schützenpanzer und vier Jagdpanzer, die 2008 bzw. 2011 ins HGM kamen, waren nirgends verzeichnet.
  • 2018 nahm das Museum durch Eintritte 890.000 Euro ein und gab 8,4 Millionen Euro aus. Die Besucherzahlen konnten aber nicht zweifelsfrei belegt werden.
  • Viel zu hohe Krankenstände (bis zu 52 Tage pro Person und Jahr).
  • Bei Auftragsvergaben und Umbauten wurden rechtliche Vorschriften missachtet.
  • Das Ministerium hat seine Aufsichtspflichten vernachlässigt. Der RH hat 90 (!) Verbesserungsvorschläge. Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) sieht dringenden Handlungsbedarf. HGM-Direktor Christian Ortner steht vor der Ablöse. Seine Stelle wird neu ausgeschrieben.

Alexander Schönherr, Kronen Zeitung

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