So, 21. Oktober 2018

Libyen-Konflikt

08.05.2011 12:34

Waffenlieferung an Rebellen? Italien dementiert

Italien hat Äußerungen von libyschen Rebellen dementiert, wonach das EU-Land mit den Aufständischen ein Waffenabkommen geschlossen haben soll. "Es gibt keine Vereinbarung zur Waffenlieferung", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Rom am Samstag. Italien würde den Rebellen lediglich "Ausrüstung zur Selbstverteidigung" zur Verfügung stellen. Unterdessen flohen Zehntausende vor Kämpfen um die Stadt Zintan.

Italien halte sich an die Verabredungen, die mit der Libyen-Kontaktgruppe getroffen worden seien. Dazu gehören neben NATO-Staaten auch Vertreter der Arabischen Liga und der Afrikanischen Union. In Libyen hatte kurz zuvor die Führung der Aufständischen bei einer Pressekonferenz in Bengasi verkündet, bald Waffen von Italien zu bekommen.

Die Rebellentruppen erhielten die Waffen "sehr bald", erklärte der Vizepräsident des Übergangsrates, Abdel Hafiz Ghoga, ohne genauere Angaben zu der Art der Waffen zu machen. Vertreter des Rats hätten in Italien ein entsprechendes Abkommen geschlossen.

Nach zwei Monaten Bürgerkrieg in Libyen hat sich militärisch eine Pattsituation entwickelt. Die Führung der Rebellen hat die westlichen Staaten um Finanzhilfe in Höhe von zwei bis drei Milliarden Dollar gebeten.

Zehntausende fliehen vor Kämpfen
Unterdessen sind Zehntausende Libyer auf der Flucht vor dem Konflikt. Bei schweren Kämpfen nahe der Städte Zintan und Wazin in den Bergen südwestlich von Tripolis wurden mindestens neun Aufständische getötet und rund fünfzig weitere verletzt. Ein Rebellensprecher sagte, die Städte seien "wahllos" mit Grad-Raketen beschossen worden, sodass nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Rebellen zur Flucht aus Wazin gezwungen waren. Am Morgen waren die Truppen von Machthaber Muammar al-Gadafi bis auf 15 Kilometer auf Zintan vorgerückt, doch gelang es Hunderten Rebellen, sie zurückzudrängen.

Gadafi-Truppen beschießen Treibstofflager
In der seit acht Wochen belagerten Küstenstadt Misrata beschossen die Gadafi-Truppen unterdessen mehrere Treibstofflager im Hafen. Da sie bei ihren Raketen-Angriffen auf den Hafen auf starken Widerstand der Rebellen gestoßen seien, hätten die Truppen Gadafis ihre Taktik geändert, sagte der militärische Sprecher des oppositionellen Nationalen Übergangsrats, Ahmed Omar Bani. Sie feuerten die Raketen nun auf die Treibstofflager im Hafen ab und hätten bereits einige getroffen. Die Versorgung der Aufständischen mit Kraftstoff solle so gekappt werden.

Die Rebellen warfen den Regierungstruppen zudem vor, am Freitag aus Helikoptern Seeminen im Hafen von Misrata gelegt zu haben. Die Hubschrauber seien mit den Symbolen des Roten Kreuzes gekennzeichnet gewesen. Ein humanitärer Helfer bestätigt die Angaben, während die NATO erklärte, das Flugverbot über Misrata sei am Donnerstag von Hubschraubern verletzt worden. Der Hafen von Misrata ist für die Rebellen von strategischer Bedeutung, da er der einzige Zugang zu der belagerten Küstenstadt ist. Noch immer warten dort Hunderte afrikanische Flüchtlinge auf einen Platz auf einem der seltenen Hilfsschiffe.

Boot mit 600 Flüchtlingen gesunken
Doch auch auf den Booten spielen sich humanitäre Dramen ab. Ein Schiff mit etwa 600 afrikanischen Flüchtlingen, das in Richtung Lampedusa abgefahren war, ist vor der Küste Tripoli's gesunken. Mehrere Dutzend Flüchtlinge seien ums Leben gekommen, andere hätten schwimmend das Ufer erreicht, berichteten italienische Medien am Samstag.

Laut dem Bericht des somalischen Journalisten Aden Sabrie seien 16 Leichen von Somaliern geborgen worden, darunter jene einiger Frauen und von drei Neugeborenen. 32 Somalier seien noch verschollen. Auch der somalische Botschafter in Libyen, Mohamed Abdiqani, bestätigte den Bericht. Schon am 7. April war ein Flüchtlingsboot aus Libyen gesunken, das in Richtung Lampedusa unterwegs war. Mehr als 150 Personen waren ums Leben gekommen, weitere 51 konnten gerettet werden.

Auf der italienischen Insel Lampedusa sind unterdessen erneut über 800 Migranten aus Libyen eingetroffen. Sie waren in zwei Booten aus dem nordafrikanischen Land über das Mittelmeer gekommen. Unter ihnen sind mehr als 100 Frauen, berichteten italienische Medien am Samstag. Auf dem größeren der beiden Boote drängten sich 655 Menschen.

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