29.12.2021 11:27 |

Trotz Turbulenzen

VdB sicher: „Ruf Österreichs ist nach wie vor gut“

Trotz innenpolitischer Turbulenzen im Jahr 2021 ortet Bundespräsident Alexander Van der Bellen keinen Imageschaden auf internationaler Ebene: „Der Ruf Österreichs ist nach wie vor gut.“ Natürlich werde „aufmerksam beobachtet, was bei uns passiert“, bezog er sich auf den „Ibiza-Skandal“ von 2019 oder den jüngst erfolgten Rückzug von Bundeskanzler Sebastian Kurz. Doch habe sich „immer wieder gezeigt, dass wir interne Herausforderungen und Regierungskrisen mit unserer starken demokratischen und rechtsstaatlichen Tradition und anhand der Vorgaben unserer Bundesverfassung gut meistern können“. 

Sein Verhältnis zur türkis-grünen Regierung beschrieb das Staatsoberhaupt so: „Im Großen und Ganzen ziehen wir alle an einem Strang. Dass wir in der Vergangenheit manchmal nicht ganz derselben Meinung waren, tut dem keinen Abbruch.“ Kein Konsens etwa herrscht in der Flüchtlingspolitik: „Es ist kein Geheimnis, dass ich in der Migrations- und Bleiberechtspolitik eine andere Haltung vertrete als die ÖVP“, so Van der Bellen.

„Gäbe es die EU nicht, müsste man sie erfinden“
Dass sich Österreich unter dem damaligen Bundeskanzler Kurz im Zuge der Bewältigung der Corona-Krise „in den Verhandlungen zum EU-Budget und dem EU-Recovery-Fund sehr dezidiert eingebracht“ habe, bezeichnete er als „durchaus legitim“. Doch wolle er sich „die Bewältigung der Corona-Pandemie ohne EU gar nicht erst vorstellen“. „Gäbe es die EU nicht, müsste man sie erfinden“, resümierte das Staatsoberhaupt. Doch: „Eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU ist wünschenswert, aber nicht ganz einfach. Die historischen Erfahrungen und Beziehungen der EU27 sind einfach zu verschieden, um in allen außenpolitischen Fragen einen Konsens erzielen zu können.“

EU "als essenzielle Hüterin unseres gemeinsamen europäischen Fundaments“
Zugleich sei es für die Europäische Union unabdingbar, ihre eigene Position in der Welt stärker zu gestalten. Hier sei noch viel zu tun, „und diesen Weg sollte Österreich aktiv mitgestalten“. Er erachte die EU „als essenzielle Hüterin unseres gemeinsamen europäischen Fundaments, unserer liberalen Demokratien“, formulierte der Bundespräsident. Daher sei es „extrem beunruhigend“, was etwa in Polen oder Ungarn „betreffend die Aushöhlung von Grundrechten, von Presse- und Meinungsfreiheit, Justiz und Gleichstellungsfragen geschieht“.

Video: Rückblick 2021: Kanzler, Krisen, Kopfschütteln

„Müssen alles tun, um Klimakrise zu bekämpfen"
Im letzten Jahr seiner aktuellen Amtszeit würde der 77-Jährige gerne Reisen nachholen, die 2020 und 2021 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen waren. Etwa nach Afrika. Schließlich sei die Bekämpfung der Klimakrise ein „zentrales Thema“ seiner Außenpolitik-Agenda. Diese könnte auch internationale „Konfliktsituationen verschärfen“, so die Befürchtung des Bundespräsidenten. „Der Hunger in aller Welt wird zunehmen, die Versorgung von Menschen in Konfliktgebieten noch schwieriger werden, der Kampf um Ressourcen noch härter ausgefochten werden. Deshalb müssen wir alles tun, um die Klimakrise zu bekämpfen.“

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