13.12.2021 10:12 |

14-Jähriger starb

Auch Pech löste die Lawinentragödie in Tirol aus

Nach dem tragischen Tod eines 14-jährigen Einheimischen am Samstag unter einem Schneebrett am Venet in Zams (Bezirk Landeck) herrscht auch bei Tirols Lawinenexperten Bestürzung. Eine Entspannung der Lawinensituation ist weiter nicht in Sicht, die Fachleute warnen dringend vor Gefahren, die nur wenige Meter abseits gesicherter Pisten lauern.

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Rudi Mair, Leiter des Tiroler Lawinenwarndiensts, und sein Stellvertreter Patrick Nairz unternahmen am Sonntagvormittag einen Lokalaugenschein an der Unfallstelle am Venet. „Der Unglückshang weist eine Steilheit von 40 Grad auf, wir hatten hier am Samstag die Gefahrenstufe 3“, informiert Patrick Nairz. Eine alte Faustregel besagt, dass bei Stufe drei Hänge ab 35 Grad unbedingt gemieden werden müssen.

Stellenweise fast eineinhalb Meter hoch war die Anrisshöhe der Lawine, die Schneedecke aufbauend umgewandelt. Neuschnee in Kombination mit Wind sorgte zusätzlich für Instabilität. Die Schneemassen haben sechs Jugendliche erfasst, die schreckliche Tragödie hätte noch viel grausamer enden können.

Projekt „Snow Kids“ schon heuer im Sommer initiiert
Trotz des zu großen Risikos, das die Jugendlichen wohl unbewusst auf sich genommen haben, ist Rudi Mair weit von Schuldzuweisungen entfernt. „Hinter dem Unfall steht auch sehr viel Pech“, betont der dreifache Familienvater.

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Wenn ich an meine Jugend denke, haben wir in dem Alter auch die Hänge abseits der Pisten gesucht. Ich appelliere dennoch – gerade an die Jungen –, derzeit den gesicherten Skiraum nicht zu verlassen.

Rudi Mair, Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes

Der Lawinenwarndienst hat übrigens schon heuer im Juli das Arge-Alp-Projekt „Snow Kids“ eingereicht. Damit will man in Vorträgen und Kursen Kinder und Jugendliche mit der Problematik der Lawinengefahr vertraut machen. Als Projektpartner befinden sich unter anderem die Tiroler Bergrettung und der Alpenverein an Bord.

Große Gefahr abseits der Pisten
Das Unglück am Venet ereignete sich unweit der gesicherten Pisten. Bereits bei den Lawinenunfällen kürzlich im freien Skiraum am Stubaier Gletscher und in der Axamer Lizum lösten sich die Schneebretter nur wenige Meter neben den Pisten. „Die Hänge in unmittelbarer Nähe der Skigebiete stellen aktuell große Gefahrenquellen dar“, betont Lawinenfachmann Patrick Nairz. In „normalen“ Wintern seien sie zu diesem Zeitpunkt des Jahres niedergefahren und sicher. Das Ausbleiben von Skifahrern habe das heuer verhindert, gefährliche Altschneeschichten wurden daher überschneit.

In den nächsten Tagen zeichnet sich keine Entspannung der Lawinenlage ab. Für Montag gilt in weiten Regionen Gefahrenstufe 3, also erhebliche Gefahr. Laut Statistik ereignen sich bei Stufe 3 die meisten Lawinenunfälle.

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