10.12.2021 11:00 |

Ungleichheit „spürbar“

Studie: So verändert Corona das Leben der Wiener

Die meisten Wiener sind bisher gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Viele trifft die Krise aber auch besonders hart: Vor allem für Frauen, Arbeitslose und junge Menschen unter 30 haben sich durch die Krise soziale Schieflagen verstärkt und zum Teil bedrohlich verschlechtert. Bei manchen ist der Job weg, das Einkommen reicht nicht, oder die Wohnung ist - gerade im Lockdown - viel zu eng. Viele haben Zukunftssorgen, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, die krone.at vorliegt.

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In einer Studie des SORA-Instituts im Auftrag der Arbeiterkammer Wien (AK) gaben 78 Prozent an, sehr gut oder ziemlich gut durch die Krise zu kommen. Für viele Menschen in Wien hat die Pandemie aber tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Folgen. Bei der Arbeitsbevölkerung in Wien hat sich bei vier von zehn Personen die Arbeitssituation verändert: Die meisten von ihnen gingen in Kurzarbeit und sind teilweise noch immer dort. 14 Prozent haben im Zuge der Pandemie ihren Job verloren. Zum Zeitpunkt der Befragung war von der Wiener Arbeitsbevölkerung - dazu gehören auch Pendler aus Niederösterreich - jeder Fünfte auf Jobsuche.

Ein Auskommen mit dem Einkommen ist in der Krise für viele schwierig: Die Mehrheit der Wiener kommt zwar gut über die Runden, jedoch sagen vier von zehn (41 Prozent), dass das Einkommen nur knapp zum Leben reicht, für sechs Prozent reicht es gar nicht aus. Der Anteil jener, deren Einkommen völlig ausreicht, ist in manchen Gruppen besonders gering, vor allem bei Arbeitslosen, aber auch bei Eltern mit zumindest einem Kind im Haushalt: Unter den Eltern sagten in der Studie nur 43 Prozent, dass das Einkommen völlig ausreicht. Je mehr Kinder, desto knapper wird das Geld.

Im Lockdown wurde es zu Hause eng
Gerade in den Lockdowns in der kalten Jahreszeit wurde es vielen Wienern eng in ihren Wohnungen. Beengt wohnen in der Bundeshauptstadt vor allem Familien mit Kindern (38 Prozent wohnen in Überbelag). Hier stellen Home-Schooling und Kinderbetreuung eine zusätzliche Belastung dar. Überdurchschnittlich betroffen sind auch Personen unter 30 Jahren (24 Prozent) und Menschen mit Migrationshintergrund (25 Prozent). Insgesamt gaben in der Studie zwölf Prozent der befragten Wiener an, zu wenig Zimmer zur Verfügung zu haben.

Homeoffice für vier von zehn nicht möglich
Außerdem macht die Pandemie soziale Ungleichheit sichtbar. Ein Beispiel ist das Arbeiten von zu Hause aus, das während Corona für viele selbstverständlich geworden ist. Vor allem für Menschen mit Matura und solche, die angaben, dass ihr Einkommen gut ausreicht, ist Homeoffice möglich. Das gilt aber bei Weitem nicht für alle. Vier von zehn Personen gaben in der Studie an, dass sie ihre berufliche Tätigkeit nicht von zu Hause aus ausüben können.

Für einen großen Teil der Bevölkerung sei die soziale Ungleichheit „akut spürbar“, so das Fazit der AK. Drei Viertel der Wiener fürchten laut Studie, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgeht. Sorgen haben die Menschen auch, was die Wirtschaft und Arbeitsplätze betrifft. Die Pandemie hat freilich auch gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit - auch die psychische. Bei 40 Prozent der Menschen, die in Wien arbeiten, hat sich laut SORA-Studie die psychische Gesundheit in der Corona-Krise verschlechtert.

Befristete Mieten „automatischer Preistreiber“
Die AK betont, dass die Wiener Infrastruktur - etwa sozialer Wohnbau, Bildungs- und Pflegeangebote sowie Arbeitsmarktfördermaßnahmen - geholfen haben, die Folgen der Krise abzumildern. Sie pocht aber auf weitere Maßnahmen, um gerade für Randgruppen die Lebensqualität zu verbessern. So fordert sie mehr Geld für den psychosozialen Bereich, Gewaltprävention und Bildungsarbeit. Außerdem will sie - mit „sinnvollen Ausnahmen“ - die Abschaffung von befristeten Mietverträgen, die ein „automatischer Preistreiber“ seien.

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