03.12.2021 11:15 |

Notenbank interveniert

Inflationsrate in Türkei steigt auf über 21%

Die Finanzlage in der Türkei wird immer drastischer. Trotz Kirchenverkäufen und dem Aufruf von Politikern an die Bevölkerung, beim Essen zu sparen, kletterte die Inflationsrate angesichts der Abwertung der Landeswährung Lira nun deutlich über die Marke von 20 Prozent. Die Opposition und unabhängige Beobachter zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Zahlen. Die Zentralbank indes griff der taumelnden Landeswährung bereits zum zweiten Mal in dieser Woche unter die Arme.

Getrieben wurde der Anstieg der Kosten für die Lebenshaltung vor allem durch höhere Preise für Lebensmittel. Diese waren im November in der Türkei um etwa 27 Prozent teurer als vor einem Jahr. Die Erzeugerpreise legten im November sogar um 54,6 Prozent zu. Die Preise, die Produzenten für ihre Waren verlangen, dürften mit einiger Verzögerung zumindest teilweise auf die allgemeinen Verbraucherpreise durchschlagen.

Heftige Proteste und Forderung nach Neuwahlen
Mit dem vierten Anstieg in Folge erreichte die Teuerungsrate im November 21,3 Prozent, wie das türkische Statistikamt am Freitag in Ankara mitteilte. Zuletzt war die Inflationsrate Anfang 2019 über der Marke von 20 Prozent gelegen. Im Vormonat hatte die Inflationsrate 19,9 Prozent betragen, in Ankara und Istanbul kam es bereits zu heftigen Protesten (siehe Video oben), auch Neuwahlen werden von Demonstranten verlangt.

„Ihr macht die Zahlen kleiner!“
Zahlen, die vielen Menschen noch geschönt vorkommen: Der türkische Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu zog am Freitag gar vor das Gebäude der Statistikbehörde und warf der Einrichtung vor, die Zahlen zu manipulieren: „Ihr macht die Zahlen kleiner!“, sagte er. Die Zahlen seien nicht vertrauenswürdig und die Behörde zu einer „Palast-Einrichtung“ geworden. Unabhängige Beobachter schätzen die Inflation deutlich höher, im November etwa auf über 58 Prozent.

Notenbank interveniert - und hilft aus
Die Zentralbank griff der taumelnden Landeswährung Lira nach Bekanntgabe der Daten unter die Arme. Sie verkaufte wegen „ungesunder Preisbildung“ bei den Wechselkursen Dollar aus ihren Beständen. Der Lira gab die Intervention zunächst Auftrieb: Der Dollar fiel im Gegenzug auf 13,4906 Lira, nachdem er zuvor auf ein Rekordhoch von 13,8889 Lira gestiegen war. Solange die Zentralbank ihre Leitzinsen aber nicht anhebe, müsse mit einer fortgesetzten Abwertung der Währung gerechnet werden

2022 könnten Inflationsraten von etwa 30 Prozent erreicht werden
Die hohe Inflation schmälert die Einkünfte und Ersparnisse der Türken, was viele Haushalte in Bedrängnis bringt. Ökonomen erwarten, dass das Ende der Fahnenstange damit noch längst nicht erreicht ist. Im kommenden Jahr könnten demnach Inflationsraten von etwa 30 Prozent erreicht werden. Das wird zum großen Teil auf die starke Währungsabwertung zurückgeführt, da dadurch Importe wie Medikamente, Öl und andere Rohstoffe teurer im Ausland eingekauft werden müssen. Heuer hat die türkische Lira rund 47 Prozent an Wert verloren.

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