03.12.2021 06:00 |

Weltbodentag

Wild wuchernder Verkehr verschlingt unsere Äcker

Eindringlich warnen Umweltschützer anlässlich des Weltbodentags vor der Verbauung wertvoller Felder für Straßen. Laut Umfrage sind vier von fünf Österreichern gegen weitere Zubetonierung.

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Noch immer schickt der von Ökoministerin Gewessler verfügte Straßenbau-Kahlschlag Schockwellen durch Österreich. Während Zehntausende Pendler und noch mehr lärmgeplagte Anrainer regelrecht aufheulen, weil sich ihre Misere nun verstärken wird, kommt vonseiten des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) Unterstützung.

Untermauert wird die Verteidigung der Absage so ziemlich aller größerer Projekte mit – aus Sicht der Umweltschützer – dramatischen Zahlen. Demnach wurden dem Verkehr bereits insgesamt 2080 Quadratkilometer Heimat geopfert, eine Steigerung von 460 Quadratkilometer seit 1990. Diese Zahl beinhaltet freilich auch die für Parkplätze und diverse Raststätten benötigten Böden. „Mit einer Straßenlänge von 15 Metern pro Kopf sind wir führend in Europa. Damit muss jetzt Schluss sein. Denn in der Vergangenheit wurden durch Zersiedelung und Asphaltbänder viel zu viele fruchtbare Grünreserven zerstört“, heißt es in einer Erklärung von Dr. Kurt Weinberger (Hagelversicherung) und Michael Schwendinger (VCÖ) zum Weltbodentag.

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Beim Straßenbau die Notbremse zu ziehen, sind wir nächsten Generationen schuldig.

Dr. Kurt Weinberger, Chef der Hagelversicherung

Umfrage: 84% für Versiegelungsabgabe
Die beiden „Mahner in der Wüste“ glauben bei der Ablehnung neuer Projekte auch die Mehrheit der Mitbürger hinter sich zu haben. Denn laut Market-Umfrage unter 1220 Personen wollen 56 Prozent eine Umkehr, nämlich die Verschmälerung überdimensionierter Verkehrsverbindungen. Und gar eine satte Mehrheit von 84 Prozent spricht sich dafür aus, dass das Zubetonieren weiterer Grünflächen durch eine Versiegelungsabgabe verteuert werden soll. Die Befragten unterstützen auch mit genau dem selben Rückhalt eine gemeindeübergreifende Raumplanung, um Flächenreserven zu bewahren. In den Chor der Warner stimmt auch Winfrid Herbst vom Naturschutzbund in Salzburg ein: „Grund und Boden sind keine beliebige Ware, sondern Grundlage für jede menschliche Existenz und eine begrenzte Ressource.“

164.000 Fahrzeuge täglich der A23 Höhe Donauinsel
Unbeantwortet bleibt aber die Frage: Wohin mit dem Verkehr? Laut Asfinag-Zählstelle rollten auf Österreichs am stärksten befahrenem Autobahnabschnitt, der A23 auf Höhe der Donauinsel, pro Tag durchschnittlich 164.000 (!) Fahrzeuge über den Asphalt. Ein dramatisches Szenario gibt es auch beim Linzer Tunnel Bindermichl mit täglich 81.500 Kraftfahrzeugen.

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Der Schutz der uns von Gott anvertrauten Schöpfung ist jetzt Gebot der Stunde.

Österreichs offizieller Umweltbischof Alois Schwarz


Dass es rasch Abhilfe geben muss, sieht Schwendinger ein: „Der Tunnel wäre nicht vor 2030 fertig geworden. Ein durchdachtes Mobilitätsmanagement in Firmen würde mehr Angestellte mit Öffis oder Fahrgemeinschaften zur Arbeit bringen. Boehringer-Ingelheim in Wien-Hetzendorf oder Infineon in Villach haben hier echte Pionierarbeit zur starken Reduzierung des Individualverkehrs geleistet.“

Mark Perry
Mark Perry
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