24.11.2021 17:00 |

Experten einig

Höhepunkt der Welle wohl noch in dieser Woche

Die vierte Welle hat Österreich mit voller Wucht erfasst. Doch wie entwickelt sich die Lage nun künftig weiter? Einig sind sich Experten, dass der Höhepunkt der Welle, der „Peak“, wohl noch in dieser Woche erreicht werden, danach ein Rückgang bei der Zahl an Neuinfektionen beginnen könnte. Wie schnell dieser geht, lässt sich allerdings nicht sagen. Klar ist jedoch: Die Spitalszahlen werden noch weiter steigen.

Sowohl das Covid-Prognosekonsortium als auch der Simulationsforscher Niki Popper sehen Österreich auf den Höhepunkt an Neuinfektionen noch in dieser Woche zusteuern. Auch Abwasseranalysen und Mobilitätsdaten würden auf eine Stagnation des Infektionsgeschehens hindeuten, heißt es. Mit letzter Gewissheit darf das jedoch nicht gesehen werden, nicht zuletzt hapert es derzeit stark an der Testinfrastruktur - Stichwort: Überlastung - im Land, am Meldesystem und an der Kontaktpersonenverfolgung. 

Intensiv-Auslastung wird noch weiter steigen
Nach dem prognostizierten „Peak“ dürfte die Zahl der Neuinfektionen zurückgehen, allerdings darf nicht von einem starken Rückgang in nur wenigen Tagen ausgegangen werden, erklärte Popper und betonte: „Es reicht uns ja nicht, wenn wir auf den aktuellen Zahlen bleiben, denn das führt ja zu einer weiteren Be- und Überlastung des Systems.“ Klar sei leider, dass die Zahlen der Intensivpatienten jetzt noch eine Zeit lang „weiter steigen werden“, sagte Popper.

Nach einer Infektion wird im Ernstfall erst nach Tagen eine Hospitalisierung nötig, weshalb die Experten „in den nächsten 14 Tagen noch nicht mit einer Entspannung in den Spitälern“ rechnen und „ein weiterer Anstieg des ICU-Belags wahrscheinlich“ sei. Dieser könnte dann in der ersten Dezember-Woche „abflachen bzw. leicht zurückgehen“, deutet das Prognosekonsortium an. Vor zu viel Optimismus und vorschnellem Aufatmen wird jedoch gewarnt, denn die mögliche Abflachung erfolge „auf sehr hohem, teilweise systemkritischem Belagsniveau von über 600 belegten Intensivbetten“. Auch die Überschreitung der 700er-Grenze ist nicht ausgeschlossen.

Erreichen der kritischen Auslastungsgrenze in OÖ am wahrscheinlichsten
Die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent im ICU-Bereich in einer Woche - am 1. Dezember - in Österreich erreicht wird, liegt übrigens bei 30 Prozent. Deutlich höher liegt die Wahrscheinlichkeit in Oberösterreich (90 Prozent), Vorarlberg (85 Prozent), Salzburg (70 Prozent), Niederösterreich (60 Prozent) und Kärnten (45 Prozent). Am geringsten ist die Wahrscheinlichkeit in der Steiermark (fünf Prozent) und in Wien (zehn Prozent).
Auf Normalstationen ist am 1. Dezember im Mittelwert mit über 2500 Covid-19-Erkrankten zu rechnen, schlimmstenfalls könnten es mehr als 2900 sein.

Wie gut wirkt der Lockdown?
Wohin die Reise geht, soll dann spätestens Anfang bis Mitte der nächsten Woche deutlich klarer werden. Mit sieben weiteren Tagen an Infektionsentwicklung gehe sich dann voraussichtlich auch jene Evaluation der Wirksamkeit des Lockdowns, und der damit verbundenen Reduktion von Kontakten, aus, die laut den Plänen der Bundesregierung zehn Tage nach Beginn erfolgen soll, so der Simulationsforscher.

Klar ist aber bereits jetzt: Am deutlichsten war der Effekt beim ersten Lockdown im Frühjahr 2020, damals reduzierte sich die Mobilität im Durchschnitt um 40 Prozent, in den folgenden beiden um etwa rund 25 Prozent. Am ersten Tag des aktuellen harten Lockdowns betrug die Reduktion aber lediglich 18 Prozent gegenüber dem Referenzwert, wie die „Kleine Zeitung“ am Mittwoch unter Berufung auf Daten der Grazer Firma Invenium berichtet.

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